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Bischof Dr. Franz Jung

Sensibel werden für die Schwachen und Verletzlichen

Bischof Jung: Weihnachten hat Rückwirkungen auf das christliche Menschenbild – Festliche Gottesdienste im Kiliansdom – Fernsehsender Bibel-TV überträgt Pontifikalgottesdienst am ersten Weihnachtstag

Würzburg (POW) Als Fest der Verwundbarkeit hat Bischof Dr. Franz Jung Weihnachten bezeichnet. „Gott macht sich in seiner Menschwerdung verwundbar“, hob der Bischof hervor. Das habe Rückwirkungen auch auf das christliche Menschenbild. „Das Ideal ist nicht der Supermann, dem niemand etwas anhaben kann. Auch wenn der uralte Traum der Menschheit von der Unverwundbarkeit weiter geträumt wird, ist seit Weihnachten klar, dass die Verwundbarkeit zum Menschsein dazugehört.“ Weil Gott sich aus Liebe zu den Menschen verletzlich mache, sei der Mensch gerufen, eine besondere Sensibilität für die Schwachen und Verletzlichen zu entwickeln. „Es geht seit der Menschwerdung Christi darum, aus dem Blickwinkel der Schwachen diese Welt und diese Kirche zu betrachten“, betonte Bischof Jung. Es zähle nur das, was nicht nur für, sondern vor allem mit den verletzlichen Menschen auf den Weg gebracht wurde. „So nimmt man sie ernst und gibt ihnen ihre Würde wieder, die ihnen zu oft genommen wurde.“

Gerade an Weihnachten sehnten sich viele Menschen nach den verlorengegangenen Paradiesen zurück, erklärte der Bischof in der Christmette am 24. Dezember. „Wir erinnern uns an glückliche Kindertage, an denen wir Weihnachten im Kreis der Familie besonders intensiv und schön erlebt haben, und träumen von der unbeschwerten Geborgenheit und kindlichen Freude dieser längst vergangenen Tage.“ Das Paradies sei aber kein Ort, sondern das Paradies meine Beziehung. In Jesus Christus, dem menschgewordenen Gottessohn, überbrücke Gott die Distanz zwischen Himmel und Erde, hebe er den Fluch der Sünde auf, die die Menschen von ihm trennte. „Öffnen wir also Christus weit die Pforten unseres Herzens, damit der König endlich auch bei uns einzieht, heute an Weihnachten, und uns Anteil gibt an seinem Erbarmen und seinem Frieden“, sagte Bischof Jung.

Im Pontifikalamt am ersten Weihnachtsfeiertag, das von Bibel-TV bundesweit ausgestrahlt wurde, betonte Bischof Jung, dass das göttliche Licht, das vom Kind in der Krippe ausgeht, durch kein menschliches Fehlverhalten zum Erlöschen gebracht werden könne. „Es leuchtet uns voll Gnade und Wahrheit. Voll Gnade, weil Gott kommt, um die Macht der Sünde zu brechen. Voll Wahrheit, weil es die Kirche dazu ruft, sich ungeschminkt der eigenen Wahrheit zu stellen und im Blick auf den umzukehren, der die Wahrheit selbst ist.“

Das Thema des sexuellen Missbrauchs sei gerade deswegen an Weihnachten anzusprechen, weil gerade hier über Verletzlichkeit gesprochen werden müsse. „Im Blick auf die Betroffenen wurde deutlich, dass häufig die Kinder Opfer eines Übergriffes wurden, die besonders verletzlich waren und deshalb der besonderen Fürsorge bedurft hätten“, sagte Bischof Jung. Zudem habe sich gezeigt, dass auch die Institution Kirche höchst verletzlich war. „Vermeintliche oder wie selbstverständlich angenommene Schutzmechanismen haben versagt.“ Dazu hätten Annahmen gezählt wie beispielsweise, dass Kinder gut in den Händen von kirchlichen Einrichtungen aufgehoben seien, oder die Begriffe von Heiligkeit und Perfektion. Diese hätten dazu geführt, dass mit Verfehlungen in den eigenen Reihen nicht gerechnet wurde oder diese nicht wahrgenommen wurden, erklärte der Bischof. „So galt die erste Aufmerksamkeit eher der Institution Kirche als denjenigen, die durch sie zu Schaden kamen.“ Das Werk Gottes ist nach den Worten des Bischofs Menschenhänden anvertraut, und so auch oft Menschenhänden ausgeliefert. „Im Bewusstsein der eigenen Schwäche und Verletzlichkeit knien wir in diesem Jahr als Kirche an der Krippe nieder.“

In der Christmette sangen die Domsingknaben unter der Leitung von Domkapellmeister Professor Christian Schmid die Turmbläsermesse von Fridolin Limbacher, „Dominus dixit ad me“ sowie weihnachtliche Motetten und Liedsätze unter anderem von David Willcocks, Alec Rowley, Michael Praetorius und Josquin de Pres. Die Dombläser begleiteten den Gesang instrumental. Am ersten Weihnachtsfeiertag ließen Domchor, Solisten und das Orchester Camerata Würzburg unter der Leitung von Domkapellmeister Schmid Franz Schuberts „Messe B-Dur, D 324“ erklingen.

Das Ende des Jahres begeht Bischof Jung gemeinsam mit Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann am Silvestertag, 31. Dezember, um 17.30 Uhr mit einem Pontifikalamt zum Jahresschluss im Kiliansdom. Das Schwellengebet im Neumünster gestaltet Bischof Hofmann.

mh (POW)

(0119/0023; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet


 


 

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