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Bischof Dr. Franz Jung
Dokumentation

„Packen wir‘s an und gehen wir unter der Führung des Geistes Gottes los“

Dialogpredigt von Bischof Dr. Franz Jung mit Lucia Stamm, stellvertretende Vorsitzende des Würzburger Diözesanrates, beim Gottesdienst zur Eröffnung der Bischofssynode für eine synodale Kirche am Sonntag, 17. Oktober 2021, im Würzburger Kiliansdom

Lucia Stamm: Also ich staune: Jakobus und Johannes sind zwei gewiefte Taktiker. Wollen sich die beiden doch die besten Plätze links und rechts neben Jesus sichern. Und das hinter dem Rücken der anderen!

Bischof Dr. Jung: In der Tat, man glaubt es kaum, was in der frommen Apostelschar damals vor sich ging. Immerhin, der Zeitpunkt war geschickt gewählt. Kurz vor der Ankunft in Jerusalem dachten die beiden: Bevor das große Hauen und Stechen losgeht im Kampf um die besten Plätze im Reich Gottes, schaffen wir schnell mal Fakten. Dann ist der Kampf entschieden, bevor er überhaupt begonnen hat.

Stamm: Auf der einen Seite staune ich über so viel Berechnung und Hinterlist. Ich bewundere den wachen Blick für den rechten Moment. Auf der anderen Seite erschrecke ich. Denn die Herren Apostel hatten offenbar immer noch nicht begriffen, dass das Reich Gottes nicht von dieser Welt ist. Hier geht es nicht darum, sich mit Ellenbogen, Beißen und Kratzen an die Spitze zu boxen.

Bischof: Immerhin: ein passendes Evangelium für den heutigen Sonntag. Denn heute wird in den Diözesen weltweit die Synode zur Synodalität eröffnet. Sie steht unter dem Titel: „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung.“

Stamm: „Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ – das sind große Worte! Schaut man auf das heutige Evangelium ist da noch viel Luft nach oben. Aber wie so oft im Leben lernt man an einem schlechten Beispiel besser, als an einem guten. Befragen wir daraufhin nochmals unser Evangelium.

Bischof: Was sich mit dem Geist der Synodalität jedenfalls nicht verträgt ist, hinter dem Rücken der Anderen vorzugehen, so wie Jakobus und Johannes es machen. Synodalität lebt von der Transparenz und der Offenheit. Deshalb ist es nur zu begrüßen, dass Jesus nicht mit den beiden Jüngern gesondert verhandelt, sondern alle Jünger zusammenruft. Jesus stiftet Gemeinschaft. Synodalität heißt nämlich, gemeinsam zu beraten. Denn nach einem Grundsatz der Alten Kirche „muss das, was alle angeht, auch von allen und mit allen beraten werden“.

Stamm: Mit der Idee der Synodalität verträgt es sich auch nicht, um Posten zu schachern und eine machtvolle Stellung über andere anzustreben. Deshalb weist Jesus solches Machtstreben streng zurück.  Die Tatsache, dass die anderen Jünger sich über Jakobus und Johannes geärgert haben, zeigt aber, dass die Frage nach der Macht alle beschäftigte. Wahrscheinlich haben sie sich geärgert, weil insgeheim jeder selbst schon darüber nachdachte, wie er die anderen ausstechen könnte. Sie fühlten sich ertappt.

Bischof: So scheint es gewesen zu sein. Es geht im Letzten immer um die Macht. Jesus hört da sehr genau hin. Synodalität lebt ja davon, dass man einander zuhört. Nur im Zuhören erfährt man, wo der Schuh drückt und welche Probleme gerade verhandelt werden. Denn im Evangelium ist es wie im richtigen Leben: Die wirklich wichtigen Diskussionen werden häufig im Hintergrund und verdeckt geführt.

Stamm: Da finde ich es befreiend, dass Jesus offenlegt, dass es um Macht geht, und nicht um den heißen Brei herumredet. Denn wie Sie eben gesagt haben: es geht immer um die Macht. Das ist auch nicht schlimm. Die entscheidende Frage lautet nur, wie man Macht so gestalten kann, dass sie nicht zur Unterdrückung wird, sondern allen hilft, sich gut zu entwickeln.  Jesus verweist auf das abschreckende Beispiel der Machthaber und Potentaten, die ihre Völker unterdrücken und knechten. Sein Auftrag lautet: Bei euch soll es nicht so sein!

Bischof: Wenn es also Macht und Leitung gibt, dann hat sie dienende Strukturen zu schaffen. Dienende Strukturen liegen dann vor, wenn alle miteinbezogen werden, wenn dem Wohl aller Rechnung getragen wird, wenn alle Begabungen soweit als möglich zum Zuge kommen.

Stamm: Genau! Papst Franziskus spricht in einem eindrücklichen Bild von einer umgekehrten Pyramide. Die Verantwortungsträger in der Kirche, die Kirchenspitze also, liegt unten, sagt er. So kommt ihre Verantwortung zum Ausdruck, für das Gelingen des Ganzen Sorge zu tragen. Nicht von oben herab, sondern von unten herauf.

Bischof: Ein starkes Bild! Es geht also nicht nur um die persönliche Haltung des Dienens, nicht nur darum, in der Kirche zu dienen, sondern auch darum, der Kirche zu dienen. Das tut man, indem man an ihrer Weiterentwicklung arbeitet. Beteiligung und Partizipation sind die entscheidenden Stichworte.

Stamm: Außerdem erlaubt die besondere Nähe zu Jesus nicht, sich Vorteile verschaffen zu können, wie Jakobus und Johannes meinen. Jesus hält nichts von einem höfischen System, in dem Nähe und Unterwürfigkeit zu Garanten für Karriere und Fortkommen werden. Das Gegenteil ist der Fall. Weil wir aufgrund unserer Taufe alle Jesus gleich nahe sind und eine gleiche Würde besitzen, geht es um ein gleichberechtigtes Miteinander auf Augenhöhe. Nur so kommen wir alle gemeinsam einen Schritt voran.

Bischof: Ob jemand Jesus besonders nahe ist, sieht man übrigens nicht daran, ob er Macht hat, sondern nur daran, ob er oder sie Jesus wirklich nachfolgt. Das meint Jesus mit dem Wort von der Taufe, das er zu Jakobus und Johannes sagt. Er meint damit die Bluttaufe des Martyriums. Das heißt die Bereitschaft, mit seinem Leben einzustehen für seinen Glauben. Gott zu dienen mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit all seiner Kraft - bis zum Tod, wenn es sein muss.

Stamm: In diesem Sinn stehen alle Beratungen einer synodalen Kirche immer unter dem Wort Gottes. Wie sagt Jesus im heutigen Evangelium: „wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“.

Bischof: In der Tat, das Wort Gottes steht über allen Beratungen und dient als Maßstab und Richtschnur, an dem sich alle zu orientieren haben. Und alle Unterscheidung der Geister soll helfen, die Formen der Beteiligung zu finden, die mehr dienen und die nützlicher sind als andere.

Stamm: Wenn ich das alles so höre, dann habe ich das Gefühl, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt, bis Synodalität als Haltung und als Arbeitsweise in der Kirche eingeübt und verinnerlicht ist!

Bischof: Da haben Sie recht. Und das weiß auch der Papst. Aber das ist nicht schlimm, denn Synodalität ist immer ein Prozess. Und das bedeutet, dass man in allen Beratungsprozessen dazulernt. Synodalität kommt schließlich vom Griechischen „Syn-hodos“. Das bedeutet „miteinander auf dem Weg sein“, der immer ein Lernweg ist. Mit der Zeit stellt sich heraus, was wirklich weiterhilft, welche Formate der Beratung geeignet sind und wie man möglichst viele Menschen einbeziehen kann.

Stamm: Papst Franziskus spricht im Übrigen nicht nur von einem Lernweg, sondern sogar von der „synodalen Bekehrung“ der Kirche als Aufgabe im 21. Jahrhundert. Eine echte Herausforderung! Da mag einen trösten, dass auch die Jünger ziemlich lange gebraucht haben, bis sie verstanden hatten, was Jesus wirklich will. Bis sie sich wirklich bekehrt hatten!

Bischof: Gerade in einer Zeit, in der wir die Erfahrung von Machtmissbrauch in der Kirche diskutieren und tagtäglich die Schreckensnachrichten hören von Gewalt und Unterdrückung, ist dieser Bekehrungsweg aber auch eine Chance. Nicht nur für die Weiterentwicklung der Kirche selbst. Die Kirche könnte auch der Welt ein Beispiel geben, wie man gut miteinander umgeht.

Stamm: Dann würde der eigene Bekehrungsweg auch über die Kirche hinausweisen. Dann hätte Kirche hier eine Mission. Kirche könnte damit zu dem werden, was sie ihrer Berufung nach ist: Sakrament des Heils für die Welt.

Bischof : Das wäre in der Tat die schönste Frucht des Weges zur Synodalität. Packen wir‘s an und gehen wir unter der Führung des Geistes Gottes los. Denn Jesus ist unser Weggefährte auf dem gemeinsamen Weg zum neuen Jerusalem, zur heiligen Gottesstadt, in der alle erlöst miteinander leben. Jesus selbst ist unser Weg zur Wahrheit ins Leben!

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