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Bischof Dr. Franz Jung

„Jeder Einsatz ist ein Sprung ins kalte Wasser“

Bischof Dr. Franz Jung spricht im Insta-Talk mit Diakon Ulrich Wagenhäuser, Diözesanbeauftragter für die Notfallseelsorge

Würzburg (POW) Über die Arbeit der Notfallseelsorge hat Bischof Dr. Franz Jung mit Diakon Ulrich Wagenhäuser, Diözesanbeauftragter für die Notfallseelsorge und die Seelsorge im Feuerwehr- und Rettungsdienst, am Donnerstagabend, 29. Juli, auf dem Social-Media-Kanal Instagram @bistumwuerzburg gesprochen. Unter dem Hashtag #ausgetauscht setzte der Bischof seine in der Fastenzeit gestartete Reihe von Gesprächen fort. In dem fast 40-minütigen Gespräch ging es auch um die Gewalttat am Würzburger Barbarossaplatz am 25. Juni, bei der drei Menschen starben und mehrere verletzt wurden. Bischof Jung bedankte sich mehrfach für die wertvolle Arbeit der Notfallseelsorge: „Ich weiß, dass Sie das aus ganzem Herzen machen. Ich möchte Ihnen, auch stellvertretend für die vielen anderen Kolleginnen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Notfallseelsorge, mein herzliches Dankeschön aussprechen.“

Die Ereignisse auf dem Barbarossaplatz hätten alle Beteiligten wieder um fünf Jahre zurückversetzt, berichtete Wagenhäuser. Damals hatte ein minderjähriger Flüchtling in einem Regionalzug und im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld mehrere Menschen mit einem Beil und einem Messer angegriffen und zum Teil schwer verletzt. Seitdem seien in der Alarmierung wie auch im Einsatz viele Verbesserungen umgesetzt worden. „Der Barbarossaplatz war für uns ein Stresstest, den wir sehr gut gemeistert haben.“ Bischof Jung überbrachte im Namen des ehemaligen Polizeipräsidenten Gerhard Kallert dessen Dank für die gute Zusammenarbeit.

Die Notfallseelsorge sei von der Einsatzleitung alarmiert worden, so wie auch die Einsatzkräfte und die Rettungsdienste, erläuterte Wagenhäuser den Ablauf bei einem Notfall. Mit ihm seien insgesamt sieben Notfallseelsorger im Einsatz gewesen. Ihre Aufgabe habe darin bestanden, sich um die unverletzten Menschen, die Augenzeugen des Angriffs wurden, sowie um die Angehörigen der Verletzten und Gestorbenen zu kümmern. „Wir betreuten die Menschen, vermittelten Sicherheit, wandten uns ihnen zu. Es war ganz wichtig, ihnen zu vermitteln: Ihr seid jetzt an einem Ort, an dem ihr sicher seid.“ Zugleich gehe es schon jetzt darum, eine Perspektive zu entwickeln: „Was brauchen die Menschen, um über die nächsten Stunden und Tage zu kommen?“ Hierfür gebe es im Bistum ein Netz aus Seelsorgerinnen und Seelsorgern, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, etwa die Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

Jeder Einsatz sei „immer wieder ein Sprung ins kalte Wasser“, sagte Wagenhäuser. „Für die Menschen, bei denen wir in all diesen schrecklichen Situationen sind, ist von jetzt auf nachher nichts mehr so, wie es gewesen ist, und wird auch nie mehr so sein. Uns ist es wichtig, an diesem Schnittpunkt bei den Menschen zu sein.“ Dieser Dienst verlange von jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter einen hohen persönlichen Einsatz. Er selbst engagiere sich seit 26 Jahren in der Notfallseelsorge. „Dass ich das so lange machen kann, hat auch mit meiner Spiritualität und meiner Glaubensüberzeugung zu tun.“

99 Prozent der Einsätze hätten mit Tod und Sterben zu tun, sagte Wagenhäuser. Zu den Aufgaben der Notfallseelsorger gehöre es beispielsweise, gemeinsam mit der Polizei die Nachricht vom Tod eines Angehörigen zu überbringen und den Hinterbliebenen beizustehen. Auf Wunsch würden religiöse Rituale wie Gebet oder Sterbesegen angeboten. Rund 20 Prozent der Einsätze seien „außerhäuslich“, zum Beispiel nach Verkehrsunfällen, Bränden oder einer Evakuierung. Sehr schwierig seien Einsätze, bei denen es um Kinder gehe. Wagenhäuser erzählte von einem Einsatz an Heiligabend, als er einem Vater die Nachricht vom Tod seiner beiden Kinder überbringen musste. Sie waren tödlich verunglückt. „Zwei Stunden vorher waren sie noch unter dem Christbaum gesessen. Das sind Einsätze, die mir nachgehen.“ Um solche Erlebnisse zu verarbeiten, nehmen Notfallseelsorger verpflichtend an Supervisionen teil.

Die Notfallseelsorge sei ein wichtiger diakonaler Dienst der Kirche, erklärte Wagenhäuser am Ende des Gesprächs. „Es ist mir ein Anliegen, dass wir das nie aus dem Blick verlieren und vielleicht noch mehr Power reinbringen, dass wir gute und vielleicht noch bessere Möglichkeiten von der Bistumsleitung bekommen.“ Wenn die Notfallseelsorge vom Bischof oder der Landeskirche positive Signale bekomme, „ist das für uns eine gute und wichtige Bestärkung“. Er unterstrich zudem die Bedeutung der Ehrenamtlichen für die Notfallseelsorge: „Ohne sie könnten wir das nicht mehr machen.“ „Die Botschaft ist angekommen“, versicherte Bischof Jung und wünschte allen Engagierten Gottes Segen für ihren Dienst.

Das komplette Gespräch steht auf dem YouTube-Kanal des Bistums Würzburg zum Nachschauen online.

sti (POW)

(3121/0765; E-Mail voraus)

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