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Bischof Dr. Franz Jung
Dokumentation

Erhellt vom Licht der Weihnacht

Predigt von Bischof Dr. Franz Jung in der Christmette am Dienstag, 24. Dezember 2019, im Würzburger Kiliansdom

Tagesoration von Weihnachten: Christus als der neue Adam

Heute, am Weihnachtstag, fasst die Kirche das Festgeheimnis im folgenden Gebet zusammen:

Allmächtiger Gott, du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und noch wunderbarer wiederhergestellt. Lass uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes, der unsere Menschennatur angenommen hat.

Großes Staunen erfüllt die Welt. Denn Weihnachten ist das Fest der Neuschöpfung. Die Würde des gefallenen und in die Sünde verstrickten Menschen wird erneuert in Christus. Nicht umsonst nennt schon der Apostel Paulus Christus den zweiten, den neuen Adam. Der neue Mensch, der von Gott her geboren ist, eben nicht aus dem Willen des Mannes, sondern von Gott her neugeboren.

Was aber zeichnet den neuen Adam aus? Und was bedeutet es für uns, Anteil zu haben an der Gottheit des Kindes in der Krippe?

Der neue Adam glaubt an die Möglichkeit einer paradiesischen Welt

Der neue Adam glaubt an Ideale mit dem steten Verweis darauf, dass es „im Anfang nicht so war“, wie Jesus im Blick auf die Regelungen des Gesetzes ausführt. Er sieht die Vorschriften des Gesetzes lediglich als Notmaßnahmen angesichts der Hartherzigkeit der Menschen, wobei der große Wurf abhandengekommen ist. Man beschreibt nicht mehr ein Ideal, sondern bemüht sich nur noch um Schadensbegrenzung. Jesus aber zeigt in der Bergpredigt, dass immer mehr drin wäre, wenn der Mensch sich denn aufraffte, das Große wirklich zu wollen: mehr Frieden, mehr Barmherzigkeit, mehr Gerechtigkeit, mehr Liebe.

Menschen, die an Weihnachten in diesem Kind den neuen Adam erkennen, träumen mit ihm von der Möglichkeit besserer Umstände. Sie leben ein Ideal, ohne angesichts der realen Gegebenheiten zu resignieren oder zu Zynikern zu werden. An der Krippe holen sie sich neue Kraft. Von solchen in Christus erneuerten Menschen, die sich für andere einsetzen und engagieren, lebt unsere Welt.

Der neue Adam konzentriert sich nicht auf die Fehler, sondern auf das, was möglich ist

Der neue Adam sieht die Fehler und Verfehlungen der Menschen sehr genau. Er urteilt, aber er verurteilt nicht. Er legt die Menschen nicht darauf fest, wie wir es gerne tun. Er glaubt an das Gute in jedem Menschen und die Möglichkeit, dazuzulernen und sich weiter zu entwickeln. Deshalb bietet er die Vergebung an, wenn man sich selbst vergeben kann und diese Vergebung erbittet. Er glaubt an die Möglichkeit eines Neubeginns im Leben, weil wir Menschen eben nur durch Fehler klug werden und dazu lernen.

Menschen, die an Weihnachten in diesem Kind den neuen Adam erkennen, suchen mit diesem Kind nach den Möglichkeiten und nicht nach dem, was nicht geht. An der Krippe dürfen sie all das niederlegen, was nicht gelungen ist und sich die Vergebung zusagen lassen. Entgegen der heutigen Unkultur, die Fehler anderer breit zu treten und Menschen gnadenlos bloßzustellen, geht es aber ebenso darum, barmherzig miteinander umzugehen gerade angesichts der Fehlbarkeit von uns Menschen.

Der neue Adam lebt aus der Fülle und gibt ohne Hintergedanken

Der neue Adam lebt aus der Fülle Gottes. Er hortet nicht für sich, sondern ermuntert zur Sorglosigkeit. Er weiß: Empfangen wird nur der, der gibt. Und reich ist nur der, der selbstlos schenken kann. Alle Selbstbezogenheit und alle Gier machen das Herz des Menschen nur eng und leer.

Menschen, die an Weihnachten in diesem Kind den neuen Adam erkennen, lernen zu geben. Nicht umsonst bringen alle, die an die Krippe kommen, Geschenke und Gaben mit. Weil sie sich beschenkt fühlen, wollen sie schenken. Die Hirten genauso wie die Drei Weisen. Sie geben, weil hier einer ist, der sich selbst gibt. Großherzigkeit ist gefragt. Wo alle geben lernen, weil sie sich beschenkt wissen, besteht auch eine reelle Chance, die Diskrepanz zwischen arm und reich zu überwinden.

Der neue Adam ist unbestechlich, aber nicht lieblos

Der neue Adam zeichnet sich durch seinen unbestechlichen Blick aus. Er erkennt die Angeber, die Selbstgerechten und Aufschneider. In ihrer Verzweiflung oder Anmaßung überheben sie sich, wollen mehr aus sich machen als wirklich ist. Die unerbittlichen Nachfragen des neuen Adam entlarven einen allzu selbstsicheren Petrus genauso, wie die selbstgerechten Pharisäer und den selbstbewussten reichen Jüngling, der von seiner eigenen Vollkommenheit überzeugt ist. Jesus konfrontiert mit der Wahrheit und führt zur Wahrheit und zu all dem, was nicht mit Lebenswirklichkeit gedeckt ist. Er hat keine Angst vor der Wahrheit, weil nur die Wahrheit hilft, im Leben weiterzukommen und weil sich alle Unaufrichtigkeit und alle Unehrlichkeit irgendwann rächt. Dabei ist seine Kritik nie bloßstellend. Aber dennoch unverblümt konstruktiv.

Menschen, die an Weihnachten in diesem Kind den neuen Adam erkennen, lassen sich in die Wahrheit ihres Lebens führen, durch alle Täuschungen und Enttäuschungen hindurch. An der Krippe dürfen sie alles ablegen, was nicht trägt, so wie dieses Kind in seiner Unschuld uns entwaffnend anschaut. Die Wahrheit wird uns frei machen, ohne uns zu erniedrigen. Denn Gott hat sich genau deshalb vor uns klein gemacht, damit wir uns nicht überheben müssen.

Der neue Adam sieht in jedem Detail schon das Ganze

Der neue Adam achtet auf das Detail. Denn die neue Schöpfung blitzt an kleinen Vorzeichen unter uns auf. Er sieht auf das Unscheinbare und schließt auf den Menschen zurück. Er sieht als einziger die zwei Münzen der Witwe am Opferstock und weiß um ihr gutes Herz. Er würdigt den Becher Wasser, gegeben um seines Namens willen, und rechnet ihn als Gerechtigkeit an. Er nimmt im verstockten Blick seiner Gegner die innere Haltung der Ablehnung wahr. Er staunt über die kleinen Gesten der Hilfsbereitschaft und Zuwendung ihm gegenüber wie der Salbung der Füße. Im Kleinen und Unscheinbaren zeigt sich das Große. Nichts ist zufällig, alles wird zum Verweis. Er weiß im Übrigen auch, dass jedes große Unglück im Kleinen beginnt und alles vergiften kann.

Menschen, die an Weihnachten in diesem Kind den neuen Adam erkennen, werden sorgfältig und beginnen ihr Leben neu zu ordnen. Denn großes Glück wie großes Unglück beginnen im Unscheinbaren. Gott beginnt im ganz Kleinen neu, um von dorther die Welt zu verwandeln.

Der neue Adam lebt im Frieden mit der Schöpfung

Mit dem Kommen des neuen Adam verändert sich die Schöpfung. Mitten im Winter blühen die Blumen. Neue Sterne bevölkern den uralten Himmel. Die Nacht wird hell wie der Tag. Himmel und Erde sind vereint in der Harmonie des Gesangs der Engel. Mensch und Tier leben im Stall zu Bethlehem in Eintracht miteinander. Weil der neue Adam in der Einheit mit der Schöpfung lebt, nimmt er die Leiden der Schöpfung besonders wahr. Den Raubbau an der Natur genauso wie die Bedrohung der Menschenwürde des leidenden, versehrten und ungeliebten Menschen sowie die Gefährdung der Lebensgrundlagen aller Geschöpfe.

Menschen, die an Weihnachten in diesem Kind den neuen Adam erkennen, setzen sich für das umfassende Wohl der Schöpfung ein, das heißt auch für die leidenden Schwestern und Brüder. Denn an die Neuschöpfung glauben heißt, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass ein gutes Leben für alle ermöglicht wird.

Der neue Adam hat keine Angst vor Leid und Tod

Der neue Adam kennt Leiden und Tod. Aber er verschließt die Augen davor nicht. Er läuft nicht davor weg. Er stellt sich dieser Wirklichkeit. Bewusst kommt er als leidensfähiger Mensch. Er erscheint wehrlos. Seine Stärke besteht darin, sich seiner Schwäche zu stellen. Sie anzunehmen und so zu neuem Leben zu verwandeln. Denn weglaufen oder wegschauen hilft nicht. Es hilft nur, das Leiden bewusst anzunehmen als Teil des eigenen Lebens. Nur so zeigen sich neue Wege. Das gilt auch für den Tod, der das Eingangstor zum neuen Leben wird.

Menschen, die an Weihnachten in diesem Kind den neuen Adam erkennen, legen bewusst ihre Leiden an der Krippe ab. Sie tragen auch ihre Verstorbenen zu dem Kind, in dessen Ankunft der Tod besiegt worden ist. Seit die dunkelste Nacht erhellt ist vom Licht der Weihnacht, seitdem erfüllt uns die Hoffnung auf Auferstehung und neues Leben von Gott.

Christus muss in mir neugeboren werden

„Du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und noch wunderbarer wiederhergestellt“ – mit diesem Gebet von Weihnachten haben wir unsere Überlegungen begonnen. Christus, der neue Adam, ist der erstgeborene der neuen Schöpfung. Heute Nacht bitten wir darum, dass wir Teil dieser neuen Schöpfung werden, dass Christus in uns neu geboren wird. Der Dichter Gerhard Teerstegen hat es in der letzten Strophe von „Jauchzet ihr Himmel“ als Bitte so formuliert:

Süßer Immanuel, werd auch in mir nun geboren,
komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren!
Wohne in mir, mach mich ganz eines mit dir,
der du mich liebend erkoren.


 

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