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Bischof Dr. Franz Jung

Die Gesellschaft mitgestalten

Ökumenischer Gottesdienst für Geflüchtete und Helfer mit Bischof Dr. Franz Jung im Kiliansdom – Regionalbischöfin Gisela Bornowski: Gottes Liebe wird den Christen in der Taufe zugesagt

Würzburg (POW) Einen ökumenischen Gottesdienst mit rund 500 Flüchtlingen, Asylbewerbern und Helfern hat Bischof Dr. Franz Jung am Samstagabend, 12. Januar, im Würzburger Kiliansdom gefeiert. Das „Land der Verheißung“, von dem beim Propheten Ezechiel die Rede sei, sei für alle keine Zustandsbeschreibung, sondern ein Auftrag, sagte der Bischof in seiner Predigt. „Jeder von uns ist täglich aufgefordert, die Gesellschaft mitzugestalten – in der politischen Auseinandersetzung, im Eintreten für Menschenrechte und im Kampf um die Anerkennung der Würde jedes Menschen.“ Dieser Vorgang sei nicht spannungsfrei, zwinge aber zur Entscheidung, zum Beziehen einer Position und dazu, Konflikte zu riskieren. „Um nichts anderes geht es bei richtig verstandener Tauferneuerung“, erklärte Bischof Jung. Mit ihm gemeinsam standen die evangelisch-lutherische Regionalbischöfin Gisela Bornowski, der äthiopisch-orthodoxe Pfarrer Gebremariam Mulualem, der evangelisch-lutherische Kirchenrat Andreas Werner, Ökumenereferent Domvikar Professor Dr. Petro Müller, der ukrainisch-griechisch-katholische Priester Dr. Dr. Thomas Németh und der syrisch-orthodoxe Diakon Johann Ün der Feier vor.

Regionalbischöfin Bornowski betonte in der Einführung zum Gottesdienst am Vorabend des Fests der Taufe des Herrn, dass Christen in der Taufe Gottes Geist empfangen. „Es ist uns versprochen: Gott liebt dich, wie du bist, er lässt dich nicht allein – egal was geschieht.“ Was die Christen in der Taufe empfangen, dürften sie an andere weitergeben. „Daran erinnern wir uns heute und möchten uns gegenseitig in diesem Glauben vergewissern. Die Taufe verbindet uns als Glieder des einen Leibes, als Kirche Jesu Christi“, betonte die Regionalbischöfin. Im Anschluss wurden die Gottesdienstbesucher als Zeichen der Tauferneuerung mit zuvor gesegnetem Wasser besprengt.

In seiner Predigt erläuterte Bischof Jung, dass Ezechiel im Exil die Sammlung der Versprengten Israels und deren Heimführung verheiße. Die Flüchtlingskrise der vergangenen Jahre mute an wie diese gigantische Sammlung der Versprengten. „Kirche versteht sich ja als die ‚Ekklesia‘, die weltweite Gemeinschaft der aus allen Völkern, Sprachen und Nationen Herausgerufenen. Das erleben wir eindrücklich in diesem ökumenischen Gottesdienst.“ Bei Paulus sei im Römerbrief die Rede davon, das Untertauchen im Wasser der Taufe bedeute, mit Christus begraben zu werden. „Viele Menschen wurden auf ihrer Flucht ganz wörtlich ins kalte Wasser geworfen. Nicht wenige sind bei der Flucht über das Mittelmeer nicht mehr aufgetaucht. Ihrer gedenken wir heute besonders.“

Aber auch die Menschen in Deutschland seien vom Gang der Dinge überrascht worden. „Und wir haben uns, Gott sei es gedankt, auch unterbrechen lassen, ohne die Not zu ignorieren.“ So sei von außen ein Vorgang an die Menschen herangetragen worden, der eine Rückbesinnung darauf brachte, was es heißt, ein Christ zu sein. „Wer getauft ist, bekommt ein Herz aus Fleisch anstelle eines Herzens aus Stein, ein Herz, das aus der Liebe Gottes erneuert wurde.“ Versteinerte Herzen zeigten sich auf vielfache Weise: in Angst vor dem Fremden, dem Neid vor Konkurrenz, dem Gefühl der Bedrohung der nationalen Identität oder auch dem Eindruck von Hilflosigkeit und Überforderung. Ausdrücklich dankte der Bischof allen, die den Hilfsbedürftigen mitfühlend geholfen hätten.

In den Fürbitten, die teilweise auf Ukrainisch, Aramäisch, Äthiopisch und Armenisch vorgetragen wurden, beteten die Gläubigen unter anderem für die Menschen in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens, im Jemen, im Sudan und der Ostukraine. Sie baten Gott um Menschen, die den Millionen Flüchtlingen auf der Welt mit Solidarität begegnen. Das Vaterunser beteten Christen der syrisch-orthodoxen Kirche auf Aramäisch, also in der Muttersprache Jesu, vor. Mitglieder der äthiopisch-orthodoxen Kirche und der armenischen Kirche trugen Glaubenslieder in ihrer Sprache vor. Eine Begegnung im Burkardushaus schloss sich an den Gottesdienst an.

                                                                                                                                                                                                                                   mh (POW)

(0319/0069; E-Mail voraus)

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