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Bischof Dr. Franz Jung

„Christsein unter den Menschen“

Diözesanforum im Würzburger Matthias-Ehrenfried-Haus stellt Zukunftsbild des Bistums Würzburg vor – Bischof Jung: „Wer für etwas brennt, der bewegt etwas“

Würzburg (POW) Unter dem Logo „Christsein unter den Menschen“ steht ab sofort die gesamte Arbeit im Bistum Würzburg. Bei einem Diözesanforum im Würzburger Matthias-Ehrenfried-Haus am Samstag, 30. April, wurde diese Vision Vertretern der unterschiedlichen diözesanen Gremien vorgestellt. Ergänzt wird diese von konkreten Haltungen, die notwendig sind, diese Vision zu verwirklichen. „Wir bieten allen unseren Glauben an als Quelle der Hoffnung und Sinn für das Leben“, ist dort zu lesen. „Ich habe gespürt, dass eine große Sehnsucht vorhanden ist, nach den Strukturen über Inhalte zu reden. Die Veranstaltung heute ist der Startschuss“, sagte Bischof Dr. Franz Jung. Er ermunterte zugleich dazu, nicht nur auf die wenig positiven Zahlen und Statistiken zu schauen. „Heilige wie Katharina von Siena, deren Festtag am 29. April war, machen deutlich: Wer für etwas brennt, der bewegt etwas.“

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Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran und Diözesanratsvorsitzender Dr. Michael Wolf stellten die Bistumsvision (siehe Download am Textende) und deren Entstehung im Zuge des Programms „Gemeinsam Kirche sein – Pastoral der Zukunft“ vor. „Kirche ist auch heute und morgen gewinnend, wo sie sich nicht abgrenzt, sondern Beziehung knüpft, wo sie Räume öffnet und nicht schließt und wo die Stimmung der Selbstaufgabe dem Mut zum neuen Anfang weicht“, betonte Vorndran. Deswegen ermutige das Bistum die Menschen, die Nachfolge Jesu in unterschiedlichen Formen von Gemeinschaft und eigener Religiosität zu gestalten. Zudem stehe die Kirche von Würzburg Menschen in Not bei, achte alle Menschen in ihrer Würde und Lebenswirklichkeit und arbeite mit Menschen aus anderen Konfessionen, Religionen oder Gruppen in der Gesellschaft zum Wohle aller zusammen. Zum „Christsein unter den Menschen“ gehöre weiter, sich in der Gesellschaft zu Wort zu melden und Position zu beziehen, nachhaltig zu leben und sich für den Erhalt der Schöpfung einzusetzen sowie durch das eigene Leben auf den Gott des Lebens zu verweisen. Wo diese Maximen bereits verwirklicht werden, zeigten mit kurzen Praxisbeispielen Ordinariatsrätin Dr. Christine Schrappe, Leiterin der Hauptabteilung Bildung und Kultur, Domkapitular Albin Krämer, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, und Domkapitular Clemens Bieber, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbands, auf.

Die Veranstaltung, die auch live im Internet übertragen wurde, begann mit einem Blick auf die Eingaben, die zur Vorbereitung der Bischofssynode in Rom auf Ebene des Bistums eingingen. Wie Domkapitular Krämer erläuterte, sei dabei eine zentrale Forderung, dass es nicht nur beim Reden bleibe, sondern auch Taten folgten. Das betreffe die Themen Beteiligung und Mitverantwortung, die Gestaltung der Liturgie, bei der ein „Mehr“ an Qualität, Ästhetik und Lebensrelevanz gefordert werde. Die Beteiligung von Frauen sei ebenfalls ein wichtiges Thema, aber auch die Rolle des Ehrenamts, die Vernetzung guter Orte („Sozialraumorientierung“) und das diakonische Profil der Kirche. Es sei wichtig, die kirchliche Selbsteinschätzung mit der Außensicht der Menschen abzugleichen. Das ist nach Krämers Worten eine weitere wichtige Erkenntnis der Rückmeldungen, an denen etwa 500 Personen aus dem Bistum beteiligt waren. Details hierzu wie auch zum aktuellen Stand des Synodalen Wegs der deutschen (Erz-)Bistümer finden sich im Internet unter synode.bistum-wuerzburg.de.

Ordinariatsrat Dr. Martin Faatz blickte mit dem Diözesanforum auf zentrale Punkte der kirchlichen Statistik des Bistums für die vergangenen zehn Jahre. So gingen in dieser Zeit Katholikenzahl, die Zahl der Seelsorgerinnen und Seelsorger und die finanziellen Ressourcen im Bistum etwa in gleichem Umfang zurück. Während der Gottesdienstbesuch deutlich abnahm, war zeitgleich bei den Kasualien, also beispielsweise Taufen, Firmungen oder Trauungen, der Rückgang weniger stark.

Mut zum Umbruch machte mit seinem Vortrag der Freiburger Pastoraltheologe Professor Dr. Bernd Hillebrand. Der Umbruch sei die Phase der Sammlung und Neuausrichtung zwischen dem Abbruch einer bisherigen Form und dem Aufbruch von etwas Neuem. Kirchlich werde der Umbruch durch äußerliche Verlusterfahrungen spürbar: beispielsweise, wenn in Ethikkommissionen, wo katholische Theologen sonst oft den Vorsitz hatten, jetzt teilweise kein katholischer Vertreter mehr dabei sei. Hinzu kämen Entfremdungserfahrungen mit der Kirche. Der Synodale Weg thematisiere nicht umsonst das strukturelle Befremden vieler Katholiken mit ihrer Kirche. Lebensweltlich täten sich viele Menschen mit den Themen und der Sprache der Kirche schwer. Alles zusammen fördere Trauer und innere Distanz bei vielen Menschen.

Hillebrand ermutigte, den Blick vom System hin zum Menschen zu wenden. Wer Christus im Nächsten erkenne, der denke in offenen Räumen statt in begrenzten Systemen. „Das Volk Gottes ist mehr als das Kirchenvolk.“ Hillebrand plädierte dafür, auf eine dezentrale Struktur zu setzen, in einem Dienst am Menschen, der in Beziehung tritt und in Teams arbeitet. „Kirchliches Leben findet primär auf Gemeindeebene statt“, sagte er. Die Ehrenamtlichen seien es, die Gemeinde und Seelsorge trügen, Aufgabe der Hauptamtlichen sei es, sie zu schulen, begleiten und unterstützen. Kirche sei so zu denken und gestalten, dass territoriale und kategoriale Ebene ineinander verzahnt sind. Kirchliche Immobilien gewännen, wenn sie auch für andere Angebote im Sozialraum zur Verfügung stünden und so womöglich gemeinsame Ziele entdeckt würden.

mh (POW)

(1822/0505; E-Mail voraus)

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