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Bischof Dr. Franz Jung

„Beklemmend und beschämend“

Filmstart von „Gelobt sei Gott“ im Würzburger Programmkino „Central“ – Bischof Dr. Franz Jung diskutiert mit Zuschauern

Würzburg (POW) „Der Film ist sehr beklemmend, teilweise am Rande des Erträglichen und natürlich für die Kirche sehr beschämend.“ Das waren die ersten Worte von Bischof Dr. Franz Jung nach der Vorführung des französischen Spielfilms „Gelobt sei Gott“ im Würzburger Programmkino „Central“. Zum bundesweiten Start des Films am Donnerstag, 26. September, bot das Kino eine besondere Vorstellung mit dem Würzburger Bischof an. Nach dem Film diskutierte Bischof Jung mit Moderator Christian Wölfel, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, und dem Publikum im komplett ausverkauften Kinosaal. Dabei ging es sowohl um die Eindrücke aus dem Film wie auch darum, wie solche Taten künftig verhindert werden können und welche Anstrengungen das Bistum Würzburg dabei unternimmt.

Der Film, der bei der Berlinale in diesem Jahr mit dem „Silbernen Bären“ ausgezeichnet wurde, basiert auf einem realen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Frankreich. Er zeigt den schwierigen Prozess der Aufarbeitung vor allem aus Opferperspektive und stellt die Frage nach der Mitschuld der Kirchenleitung. Im Mittelpunkt stehen die Initiatoren des Vereins „La parole libérée“ – „Das gebrochene Schweigen“. Sie gehören zu den Opfern des pädophilen Paters Bernard Preynat und versuchen, das jahrzehntelange Schweigen zu brechen. Eine weitere Schlüsselrolle spielt Kardinal Philippe Barbarin, Erzbischof von Lyon, der die Betroffenen zwar anhört, aber letztlich nichts gegen den Pater unternimmt. Kardinal Barbarin wurde am 7. März 2019 zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er die Taten von Preynat nicht zur Anzeige gebracht hatte. Im Film wird auch die Pressekonferenz gezeigt, bei der Kardinal Barbarin angesichts der Missbrauchsfälle sagt: „Gelobt sei Gott sind alle schon verjährt.“

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Ein Schlüsselsatz des Films war für Bischof Jung: „Warum in diesen alten Geschichten wühlen?“ Er selbst habe diesen im Film gezeigten Mechanismus auch immer wieder erlebt, erklärte der Bischof. „Alle tun so, als wäre es vorbei. Aber jedes Mal wenn der Satz fällt merkt man: Es sind eben keine alten Geschichten, sondern Geschichten, die ein ganzes Leben lang begleiten.“ Wenn Emmanuel, eine der Hauptfiguren, sage, er lebe eine „toxische Beziehung“ zu seiner Freundin, dann sei dies auch in vielen der Beziehungen der Protagonisten zu sehen, ob zu den Eltern oder zum Partner. Deshalb sei es wichtig, die Wahrheit ans Licht zu bringen, unter anderem, indem man die Akten öffne. Er glaube, dass sich in Deutschland etwas geändert habe, sagte der Bischof. „Wir versuchen als Kirche, offen zu reden, die Folgen der Taten ins Bewusstsein zu rufen, die Fälle entsprechend zu ahnden und alles zu tun, dass so etwas nicht mehr passiert.“ Eine hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben, machte der Bischof deutlich. „Diese Taten werden immer wieder passieren.“

In der anschließenden Diskussion wurde unter anderem mehrfach Kritik an der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen MHG-Studie geübt. Die Zahl der Betroffenen sei wesentlich größer als die in der Studie erfassten Fälle, sagte ein Zuschauer und bezeichnete die Studie als „großes Feigenblatt“. Die katholische Kirche sei zwar der Auftraggeber, aber die Forscher selbst völlig frei gewesen, erklärte der Bischof. Für das Bistum Würzburg habe eine externe Rechtsanwaltskanzlei die Durchsicht der Akten übernommen. Zudem habe er veranlasst, dass auch alle Akten des gesamten pastoralen Personals für den Zeitraum 1946 bis 1999 gesichtet würden, die noch nicht von der MHG-Studie erfasst wurden. Eine Psychotherapeutin kritisierte, dass Betroffenen der Zugang zu Akten verwehrt werde. „Im Film wird deutlich, wie wichtig es ist, das Schweigen zu brechen. Wie wollen Sie im Bistum die Einsicht in Täterakten handhaben?“, fragte sie den Bischof. „Wenn es den Wunsch gab, haben wir versucht, das zu ermöglichen“, antwortete dieser. So habe beim jüngsten Treffen mit Betroffenen eine Person um Akteneinsicht gebeten und diese erhalten.

Weitere Themen der fast einstündigen Diskussion waren beispielsweise die Strukturen der Kirche und die Prävention von Missbrauch. Man versuche, in engem Schulterschluss mit Johannes-Wilhelm Rörig zu arbeiten, dem unabhängigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung. „Wir hoffen, dass gegen Ende des Jahres Empfehlungen kommen, was die Aufarbeitung bedeutet“, erklärte Bischof Jung. Bei der Herbstvollversammlung in Fulda hätten die deutschen Bischöfe beschlossen, den „synodalen Weg“ fortzusetzen. Es gebe einen Maßnahmenkatalog, aus dem der Bischof einzelne Punkte zitierte. So gehe es unter anderem darum, welche unabhängigen Ansprechstellen es für Betroffene gebe, um eine einheitliche Personalaktenführung in den Bistümern, die Begleitung von Seelsorgerinnen und Seelsorgern in ihrem Dienst, Präventionsmaßnahmen sowie die Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden. Im Bistum Würzburg gebe es bereits eine Reihe von präventiven Maßnahmen, erklärte Bischof Jung. So gebe es verpflichtende Schulungen für alle, die Jugendmaßnahmen begleiten. Ein weiteres großes Projekt sei es, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren und stark zu machen. Alle Seelsorger seien verpflichtet, auffälliges Verhalten zu melden.

Aus seinen Gesprächen mit Betroffenen habe er erkannt, dass es keinen Abschluss gebe, sagte Bischof Jung. „Auch wenn sie einen Modus gefunden haben, damit umzugehen, sind es Dinge, die sie ein Leben lang begleiten.“ Diese Gespräche werde es weiterhin geben, sagte er zu. Der Bischof appellierte an alle Betroffenen, sich zu melden, denn nur mit einer Aussage könne man den Fällen auch nachgehen. „Das Wichtigste ist, dass dieses Thema offen diskutiert wird.“ Im Anschluss nahm der Bischof sich noch Zeit für persönliche Gespräche mit den Zuschauern.

sti (POW)

(4019/1042; E-Mail voraus)

Hinweis für Redaktionen: Fotos abrufbar im Internet

Zum Autor: sti (POW) (pow@bistum-wuerzburg.de)

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