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Was macht ein gutes Museum aus?

Aschermittwoch der Künstler mit Bischof Dr. Franz Jung – Podiumsgespräch im Museum am Dom zum Thema „Welches Museum braucht die Kirche?“

Würzburg (POW) Was macht ein gutes christliches Museum aus? Diese Frage hat sich durch den traditionellen Aschermittwoch der Künstler am Mittwochabend, 18. Februar, gezogen. „Das Verborgene sichtbar machen und sehen lernen, das ist ein Programm nicht nur für ein Museum, sondern für einen lebendigen Glauben“, sagte Bischof Dr. Franz Jung vor rund 400 Gläubigen im Gottesdienst im Würzburger Neumünster. An die Feier schloss sich eine Podiumsdiskussion in der „Theaterhalle am Dom“ im Untergeschoss des Museums am Dom vor rund 100 geladenen Künstlerinnen und Künstlern aus Unterfranken an. Das Thema lautete: „Welches Museum braucht die Kirche?“

In welche Richtung wird sich das Museum am Dom im Zuge der Sanierung des Kilianshauses entwickeln? Dieser Frage ging Moderator Mathias Wiedemann, Chefreporter Kultur der Main-Post, mit den Podiumsgästen nach. „Bildung und Kultur haben nach wie vor einen hohen Stellenwert. Das ist ein großes Pfund, mit dem wir wuchern können“, stellte Ordinariatsrätin Dr. Christine Schrappe fest, Leiterin der Hauptabteilung Bildung und Kultur der Diözese Würzburg. Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 2003 habe sich jedoch viel geändert, sagte Dr. Jürgen Emmert, Leiter der Abteilung Kunst. Das betreffe nicht nur Kirche und Gesellschaft, sondern auch die Museumsbesucher: „Damals hat man noch den klassisch gebildeten Studienrat mit einkalkuliert. Jetzt braucht man mehr, um den Menschen eine Hilfestellung zu geben.“ Man gehe Zeiten entgegen, in denen „die Menschen nicht mehr wissen, was ein Ewiges Licht oder ein Tabernakel ist“, ergänzte Schrappe.

Dr. Jochen Ramming, Geschäftsführer von frankonzept Würzburg, sprach von einer „unglaublichen Sammlung“ des Museums am Dom. Man müsse nun versuchen, „das Einzigartige“ zu finden, welches das Museum ausmache. Das betonte auch Anne Kraft, Sachgebietsleitung Museen beim Bezirk Unterfranken: „Wir hatten hier bisher ein Kunstmuseum. Die Herausforderung wird sein, nicht das abzubilden, was ich schon habe, sondern einen Bezug zu den Menschen zu schaffen.“ Sie sah in der Umgestaltung eine Chance. Schrappe war es ein Anliegen, die Menschen mit heutigen Themen in Verbindung zu bringen, wie Glaube und Aberglaube oder Fake News: „Welche Themen waren in unserer Bistumsgeschichte so relevant, dass sie die Menschen auch heute noch beschäftigen?“

Aus der eigenen Praxis berichtete Dr. Anja Lempges, Direktorin des Dom- und Diözesanmuseums Mainz. Sie sah die Aufgabe eines Museums im Bewahren, Forschen und Vermitteln. Doch die Objekte seien keine „simplen Relikte der Vergangenheit, es ist gemeinsame Geschichte drin. Die Themen, die uns umtreiben, haben Menschen schon immer umgetrieben.“ Sie erzählte von einem Besuch von Studenten der Akademie Mode & Design Wiesbaden. Diese hätten sich mit den historischen liturgischen Gewändern auseinandergesetzt und sich davon zu einer eigenen Kollektion inspirieren lassen, die auch ausgestellt wurde: „Es passte wunderbar.“

„Es gibt Museen für alle, aber kein Museum für alle“, betonte Dr. Fabian Müller-Nittel, Direktor der Museen Miltenberg. Das Leitbild seines Museums umfasse die Begriffe kulturelle Identität und kollektives Gedächtnis. Doch ein Museum müsse mehr sein als die Dauerausstellung. „Es muss ein Ort sein, wo man hingeht, weil es ein schöner Ort ist, weil man andere Menschen trifft.“ Er stellte die Frage: „Wie laut und lebendig darf ein Museum sein?“ Kinder und Jugendliche seien neugierig und hätten Mut, etwas auszuprobieren. „Die Erinnerung, dass man im Museum Spaß haben kann, die bleibt.“ Hier sahen Emmert und Schrappe eine Chance in der geplanten „Arena“ im Zentrum des Museums, in der Wechselausstellungen wie auch Bildungsveranstaltungen denkbar seien. Positiv sah Schrappe auch den geplanten neuen Eingang vom Kiliansplatz her. „Alle Besucher müssen künftig am Museum vorbei. Alle Touristen, die zur Dominfo wollen, betreten quasi den Vorraum des Museums – das ist eine Win-win-Situation.“

Bischof Jung: Das Verborgene sichtbar machen als Auftrag eines Museums

Gott bleibe nichts verborgen und er kenne auch die den Menschen noch verborgene Geschichte. Menschen zu helfen, das Verborgene zu sehen, sei aber auch die Aufgabe eines Museums, nahm Bischof Jung in seiner Predigt Bezug auf ein Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium: „… und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ Wenn ein Museum mehr sein solle als eine Ansammlung von Gegenständen, dann müsse die verborgene Vorgeschichte sichtbar gemacht werden: „Warum ist etwas so geworden, wie es sich heute darstellt?“ Dazu gehöre, auf neue Details aufmerksam zu werden, auf sich wandelnde Bedeutungen, und neue Sichtweisen einzuüben. Neue Blickwinkel zu erschließen bedeute, Menschen einzuladen, aus ihrer Lebensgeschichte und Lebenserfahrung heraus zu sprechen: „Was verbindest Du damit und warum wäre es für Dich bedeutsam?“ Das Evangelium fordere auch dazu auf, das Verborgene im eigenen Leben noch einmal zu sehen und dem Herrn zu danken, der immer wieder helfe, dem eigenen Tun Sinn zu geben, sagte Bischof Jung. „Ich wünsche uns allen gesegnete 40 Tage der österlichen Bußzeit, in denen der Herr uns die Augen öffnet für seine verborgene Gnade, die uns begleitet auf unserem Weg zu Ostern.“

Die Feier wurde musikalisch begleitet von einem Doppelquartett des Kammerchors „songcræft-art of singing“ unter der Leitung von Diözesanmusikdirektor Rainer Aberle, Kantor Michael Gründel und Domorganist Professor Stefan Schmidt.

sti (POW)

(0926/0202; E-Mail voraus)

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