Würzburg (POW) Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Freitag, 15. Mai, den 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg besucht. Bei einem Podium zum Thema „Gemeinsam Zukunft gestalten“ diskutierte er am Vormittag mit jungen Leuten, bevor er auf der Kirchenmeile das Gespräch mit engagierten Menschen suchte. Zum Abschluss schaute er in der Zentrale für die Helferinnen und Helfer bei den Erlöserschwestern vorbei. Der Besuch verlief nicht ohne Störungen. Vor Beginn des Podiums kam es zu Protesten vor dem Congress Centrum, und auch in der Diskussion gab es Zwischenrufe, Plakate und Trillerpfeifen. Zwei Personen wurden des Raumes verwiesen.
Klimaschutz, die aktuelle Situation der USA, die Wirtschaftslage, Rechtsruck, KI und Social-Media-Verbot: Beim Podium „Gemeinsam Zukunft gestalten“ im Congress Centrum wird eine große Themenpalette diskutiert. Mit Merz auf dem Podium sitzen Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, und Lisa Quarch, Geistliche Leiterin des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Was sie dem Bundeskanzler empfehlen würde, um der jungen Generation Zukunftsängste zu nehmen, will Moderator Professor Manuel Hartung von Kirchhoff wissen. „Ich glaube, dass man Jugendliche sehr, sehr gut über soziale Medien erreichen kann. Und ich glaube, dass das ein Weg ist, der sehr viel stärker genutzt werden muss“, antwortet diese. Insbesondere eine Partei sei dort sehr groß vertreten. „Ich glaube, dass man sich diesen Raum auch als demokratischen Raum zurückholen muss, weil man auch genau da Kinder und Jugendliche erreicht.“
Merz kann die Argumentation verstehen, äußert jedoch Bedenken. „KI-gesteuerte Fake-News-Filme“ etwa seien auf den ersten Blick gar nicht als Fälschungen erkennbar. Quarch macht einen Vorschlag, wie man den demokratischen Raum in den sozialen Medien zurückgewinnen könnte. Sie würde selbst viel „religiöse und demokratische Bildung“ auf TikTok machen und erlebe dabei, „dass es was bringt. Gerade auf TikTok sind so viele junge Menschen, die in einem engen Weltbild gefangen sind, und gute Aufklärungsarbeit führt dazu, dass sich Menschen daraus befreien können.“
Einige Jugendliche und junge Erwachsene dürfen dem Bundeskanzler Fragen stellen. Johanna Chwalczyk (17), Oberministrantin in Lengfurt im Landkreis Main-Spessart, will beispielsweise wissen, wie er zur Herabsetzung des Wahlalters steht. „Was qualifiziert denn jemanden in Baden-Württemberg, ab 16 Jahren zu wählen, und in Bayern erst ab 18? Sind wir in Bayern weniger gebildet?“ Im Bezug auf die Bundestagswahl hat Merz eine eindeutige Meinung: „Ich würde es für den Deutschen Bundestag gerne dabei belassen, dass wir das aktive und das passive Wahlrecht bei 18 Jahren lassen.“ Er begründet das mit der hohen Verantwortung. Er habe noch keine Gegenargumente gefunden, die ihn wirklich überzeugt hätten. Zufrieden ist Chwalczyk mit dieser Antwort nicht. Merz habe gesagt, dass er es gut fände, dass bei Landtags- und Kommunalwahlen das Alter gesenkt werde. „Warum sind denn Landtagswahlen mit weniger Verantwortung verknüpft?“
Susanne Ackva (21) hätte den Kanzler gerne gefragt, welche konkreten Vorschläge er habe, um jungen Menschen eine Perspektive in der demokratischen Mitte zu geben. Ackva kommt aus Würzburg, studiert Lehramt in Leipzig und ist im Eine-Welt-Team der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) aktiv. Durch ihr Studium habe sie viel Kontakt zu Schülerinnen und Schülern und dabei die Erfahrung gemacht, dass viele „rechts“ seien. Ackva kommt jedoch nicht an die Reihe.
Merz erklärt in der Diskussion auch, dass er mehr Optimismus verbreiten wolle. Er sei überzeugt, dass es wenige Länder auf der Welt gebe, die so großartige Chancen böten wie Deutschland, auch für junge Menschen. „Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas. Meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu“, sagt er. Er würde seinen Kindern heute nicht empfehlen, dort ausgebildet zu werden. „Heute haben die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten, einen Job zu finden.“
Zu seiner Kommunikation zeigt sich der Kanzler nachdenklich. „Ich beschäftige mich in den letzten Wochen mit immer größerer Intensität mit der Frage: Woran liegt es, dass es mir offensichtlich nicht gelingt, die Menschen im Lande hinreichend zu erreichen? Auch zu überzeugen, dass der Weg, den wir versuchen, in der Regierung einzuschlagen, den ich versuche einzuschlagen, der Richtige ist?“ Er wisse, dass er in seiner Kommunikation etwas verbessern müsse, damit diese Botschaft besser verstanden werde. Der erste Schritt sei, den Menschen die weit verbreitete Zukunftsangst zu nehmen.
Gespräche und Kickerpartie auf der Kirchenmeile
Wo es zuvor auf den Wegen zwischen den Zelten auf der Kirchenmeile am Viehmarkt lediglich gut besucht war, wird es nach zwölf Uhr Mittag plötzlich sehr eng. Begleitet von einem großen Aufgebot an Sicherheitskräften betritt der Bundeskanzler nach dem Überschreiten der Friedensbrücke die Kirchenmeile. Am Stand des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) warten ein Dutzend Fotografen und Kameraleute auf ihn – und Anja Karliczek, Präsidentin des KDFB Deutschland, Bundestagsabgeordnete und ehemalige Bildungs- und Forschungsministerin, sowie Vizepräsidentin Dr. Monika Arzberger.
An einem Prägeautomaten laden sie den Kanzler an, sich ein Medaillon mit dem Gesicht von Ellen Amman zu prägen. Der frauenbewegten Katholikin ist es maßgeblich zu verdanken, dass der Katholische Deutsche Frauenbund bis heute in Bayern der bedeutendste und mitgliederstärkste Frauenverband ist. „Klappt wohl net“, höhnt einer der Zuschauer, als Merz gefühlt zum zwölften Mal die Kurbel gedreht hat, ohne dass etwas passiert ist. Dann greift Karliczek ein, die entdeckt hat, dass zwar das zu prägende 5-Cent-Stück in der Maschine ist, die 1-Euro-Münze, die an die Bahnhofsmission in Würzburg geht, aber noch im Schlitz klemmt. Zwei Meter weiter im Pavillon steht ein besonderer Tischkicker: Statt der üblichen Männerfiguren sind hier nur Spielerinnen vertreten. Merz und Karliczek spielen im Team gegen Dr. Irme Stetter-Karp und Bischof Dr. Franz Jung. Mit 1:0 für das Team Merz endet die schnelle Partie.
„Ohne Frauen ist kein Staat zu machen“, steht auf der Stellwand hinter dem Stehtisch, an dem Merz zwischen Karliczek und Arzberger für eine Unterhaltung Platz nimmt. Wegen des Sicherheitsabstands ist wenig davon mitzubekommen. „Ich habe ihm gesagt, dass wir bei der Parität auch in unserer CDU Fortschritte machen müssen“, erzählt die Bundestagsabgeordnete später. Das sei aber schwierig, wenn nur jedes vierte Mitglied eine Frau sei. „Und wir haben dem Kanzler gesagt, dass die Anrechnungsgrenze bei der Hinterbliebenenversorgung für Frauen sehr nachteilig ist. Kurz gesagt: Wir müssen überprüfen, ob sich Arbeit an jeder Stelle lohnt.“ Küsschen links, Küsschen rechts für Karliczek, dann ziehen der Kanzler und sein Tross weiter.
Die vielen Handys, die nach oben gereckt werden, um ein Bild zu machen oder ein kurzes Video zu drehen, sind kaum zu zählen. Ein Fotograf hat einen Moment nicht aufgepasst: Schwupps, ist er zur Seite gedrängt und kann nur noch von hinten verfolgen, wie der Kanzler den Stand von Renovabis besucht.
Bei den Maltesern begrüßen Georg Kheverhüller, Präsident des Malteser Hilfsdienstes, und Joachim Gold, ehrenamtlicher Stadtbeauftragter der Malteser Würzburg, den Kanzler. Christine Freitag vom Würzburger Hospizdienst der Malteser berichtetet vom Herzenswunschrankenwagen, der Menschen auf dem letzten Lebensweg besondere Erlebnisse ermöglicht. „Ein junger Mann aus der Gegend wollte noch einmal die Weite spüren. Er hat vergangenen Freitag einen Rundflug mit einer einmotorigen Maschine über seinem Heimatdorf gehabt.“ Merz dankt allen, die sich bei den Maltesern engagieren: „Es ist toll, was Sie ehrenamtlich leisten.“ Malteser-Priester Markus Polders ruft Merz zu: „Wir beten für Sie.“ „Das hat mich sehr berührt“, sagt der Besucher, eher er zur wartenden Limousine weitereilt.
Dank an die Helferinnen und Helfer: „Ich habe mich jederzeit sicher gefühlt“
In der Zentrale für die Helferinnen und Helfer bei den Erlöserschwestern wird der Bundeskanzler bereits erwartet. In einem kleinen Raum sind drei Tische gedeckt. Die Wände sind mit bunten Bannern dekoriert: „Jetzt ist die Zeit“, „Zukunft hat der Mensch des Friedens“ und natürlich „Hab Mut, steh auf!“. Auf den Tischen stehen Teller mit Brezeln und Hörnchen, hinten an der Wand verschiedene Blechkuchen. Eine orange Kordel trennt die Fotografen und Kamerateams von den rund 20 Männern und Frauen, die wenige Minuten vor dem Kanzler gut gelaunt in den Raum strömen. Auch Merz scheint bester Laune. Zusammen mit Bischof Jung betritt er den Raum, geht von Tisch zu Tisch und begrüßt die Helferinnen und Helfer mit Handschlag, bevor er sich auf einen freien Stuhl setzt. „Sind Sie die ganze Zeit dabei?“, fragt er in die Runde. Ein Mann antwortet ausführlich und gestenreich, Merz hört aufmerksam zu. Leider ist aufgrund des Sicherheitsabstands kein Wort zu verstehen. Ein Mann in Anzug schiebt sich hinter die Kordel und deutet zur Tür: „Herzlichen Dank, wir lassen jetzt das Gespräch ohne Presse weiterlaufen, bitte.“
Draußen ist es wieder mal nass und kalt. Von innen ist Klatschen und Lachen zu hören. Nach rund einer halben Stunde kommt der Bundeskanzler wieder nach draußen. Dort wartet schon eine weitere Gruppe von Helferinnen und Helfern für ein Gruppenfoto, gekleidet im aktuellen Katholikentags-Outfit – knallgelbe Regenponchos. Merz blickt von einem zum anderen und sagt: „Ich habe mich jederzeit sicher gefühlt. Es war alles wunderbar. Vielen Dank für Ihre Hilfe!“
ils/mh/sti (POW)
(2126/0499; E-Mail voraus)
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Weitere Bilder zur Kirchenmeile finden Sie hier:https://bistum-wuerzburg.px.media/share/1778869993uBQH0OSlx7Hqhg
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