Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

„Jetzt mutig seinem Reich den Weg in diese Welt bahnen“

Dokumentation
Predigt von Bischof Dr. Franz Jung beim Eröffnungsgottesdienst des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg am Donnerstag, 14. Mai 2026, auf dem Residenzplatz in Würzburg

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Christus als mutmachender Hoffnungsanker zum Aufstehen

„Hab Mut, steh auf!“ Dieses Wort der Aufmunterung ist die kürzeste Zusammenfassung dessen, was die Kirche an „Christi Himmelfahrt“ feiert. Der auferstandene Christus wird in den Himmel aufgenommen. Mit ihm haben wir einen „festen Anker im Himmel“, wie es der Hebräerbrief sagt (Hebr 6,19). Der erhöhte Christus ist unser Hoffnungsanker. An ihm können wir uns festhalten, wenn der Boden unter unseren Füßen wankt. An ihm können wir uns hinaufziehen, wenn wir unterzugehen drohen in den Nöten und Ängsten unseres Lebens. Welch ein Zuspruch und welch eine Freude!

Hab Mut, steh auf und bete

Hab Mut, steh auf und bete! Denn mit Christus, der zur Rechten des Vaters erhöht ist, haben wir einen Mittler, der bei Gott für uns eintritt. Seit Christi Himmelfahrt verhallt kein Gebet mehr ungehört. Der erhöhte Christus ruft uns zu: Lasst die Hände nicht sinken! Werdet nicht müde wie die Jünger im Garten Gethsemani, die keine Kraft mehr hatten zum Beten. Sondern habt Mut und steht auf, um die Hände zum Himmel zu erheben. Denn durch das Gebet bleibt eure Gottesbeziehung lebendig und ihr werdet mit Christus den Weg ins Leben finden.

Hab Mut, steh auf gegen alle, die sich in Allmachtsphantasien ergehen

Hab Mut, steh auf und wage den Widerspruch gegen alle Machthaber dieser Welt, die sich in Allmachtsphantasien ergehen und diese auch noch religiös verbrämen. Mit der Himmelfahrt Christi ist sein Reich aufgerichtet. „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde“, sagt der scheidende Christus (Mt 28,18). Sein Reich hat auf ewig Bestand. Es ist aber nicht von dieser Welt (Joh 18,36). Es gründet auch nicht auf Gewalt, noch auf Unterdrückung oder Einschüchterung. Seine Botschaft vom Gottesreich darf deshalb auch nicht missbraucht werden zur Rechtfertigung irdischer Herrschaftsansprüche. Denn die Erfahrung zeigt: Überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet. Der erhöhte Christus ist der wahre Weltenherrscher. Er ruft dazu auf, einander zu dienen und nicht einander zu unterdrücken. Er preist diejenigen selig, die Frieden stiften, und nicht die Kriegstreiber (Mt 5,9).

Hab Mut, steh auf für die Würde des Lebens

Hab Mut, steh auf! Denn Christus ist für dich aufgestanden, um ins „Leben in Fülle“ einzugehen (Joh 10,10), das er uns allen verheißen hat. Das Leben des Menschen bekommt durch die Himmelfahrt Christi ein Ziel und eine Perspektive. Hoffnungsfroh wissen wir, dass wir zur Gemeinschaft mit Gott gerufen sind. Daraus gewinnen wir eine Würde, die uns niemand nehmen kann. Eine Würde, für die wir als Christen aber auch eintreten müssen, die wir verteidigen müssen gegen alle, die keine Hoffnung haben. Weil wir zur Gemeinschaft mit Gott berufen sind und zu einer Erfüllung, die die Welt nicht geben kann, setzen wir uns ein für den Schutz des ungeborenen Lebens. Wir setzen uns auch ein für die Würde der kranken Menschen, der Menschen mit Behinderung und der sterbenden Menschen. Denn wir leben nicht einfach ab, sondern an Christi Himmelfahrt leben wir auf. Wir vertrauen fest darauf, dass unser Schöpfer auch unser Erlöser ist. Er nimmt uns auf in seine Herrlichkeit, in die er uns vorausgegangen ist. 

Hab Mut, steh auf und nutze die Zeit

Hab Mut, steh auf und verliere keine Zeit! Denn den Männern von Galiläa wird am Himmelfahrtstag gesagt, dass dieser Jesus, der in den Himmel aufgenommen wurde, ebenso wiederkommen wird (Apg 1,11). Bis zu seiner Wiederkunft gilt es, die Zeit zu nutzen, die er uns als Kirche schenkt. „Kauft also die Zeit aus“, ruft uns der Apostel Paulus im Epheserbrief zu (Eph 5,16). Schiebt nicht alles auf die lange Bank. Vertagt nicht das, was heute getan werden kann. Vertröstet einander nicht auf den Nimmerleinstag. Denn der Herr wird „an einem Tag kommen, an dem ihr es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die ihr nicht kennt“ (Mt 24,50). Deshalb sollen wir nicht untätig in den Himmel schauen wie die Männer von Galiläa, sondern jetzt mutig seinem Reich den Weg in diese Welt bahnen.
Hab Mut, steh auf und ringe um die Durchdringung der Offenbarung

Mit der Himmelfahrt Christi ist die Offenbarung des irdischen Jesus abgeschlossen. Nun beginnt die Zeit der Pfingstnovene. In den neun Tagen bis Pfingsten bittet die Kirche darum, das Geheimnis Jesu Christi tiefer zu verstehen. Die Kirche bittet um den Heiligen Geist. Er hilft seiner Kirche, das Christus-Geheimnis immer umfassender auszuloten. Aber dazu muss man Mut haben und aufstehen. Wir müssen mutig aufstehen, um die Fragen zu stellen, die jetzt nach einer Antwort aus dem Glauben harren. Die Frage nach der Stellung der Frau im Blick auf die kirchlichen Ämter. Die Frage nach einem tieferen Verständnis dessen, was Synodalität heißt. Die Frage, wie Missbrauch von Macht verhindert werden kann. Vergessen wir nicht: All diese Probleme kamen nur auf den Tisch, weil Menschen mutig aufgestanden sind und ihre Geschichten im Raum der Kirche erzählt haben. Und weil andere zum Glück den Mut hatten, diese Geschichten auch anzuhören und in Respekt vor diesen Menschen aufzustehen. Ja, der Herr „erleuchte die Augen unseres Herzens, damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir durch ihn berufen sind und welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt“ (Eph 1,18).

Hab Mut, steh auf, denn der Herr reicht uns das Brot vom Himmel zum Weitergehen

Hab Mut, steh auf! Denn der Herr ist erhöht über Raum und Zeit. In den Sakramenten bleibt er seiner Kirche allezeit gegenwärtig. „Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich“ (1Kön 19,7). So sagte einst der Engel zum Propheten Elija, der an seiner Sendung zu zerbrechen drohte. Auch jetzt reicht uns der Herr das Himmelsbrot als Speise zum ewigen Leben. Er ruft auch uns immer neu zu, wenn wir müde werden: Habt Mut, steht auf und esst! Dann wird der Weg für euch nicht zu weit sein. Nein, in der Kraft dieser Speise werdet auch ihr euch dem Herrn immer enger verbinden. In der Kraft dieser Speise werdet auch ihr den Mut haben, die Welt zu verändern. In der Kraft dieser Speise geht auch ihr ein in das ewige Leben. Habt also Mut, steht auf und esst! Denn der Herr ist uns in der Eucharistie nahe, heute und alle Tage, bis zum Ende der Welt. Halleluja!