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Hierarchie bedeutet Rückbindung an Gott

Bischof Dr. Franz Jung weiht Heilige Öle fürs Bistum Würzburg – Dank an die Geistlichen für ihren Dienst

Würzburg (POW) Bischof Dr. Franz Jung hat vor den Gefahren von Machtmissbrauch in Kirche und Gesellschaft gewarnt. In der Chrisammesse im Würzburger Kiliansdom am Montagabend, 30. März, zog er eine historische Parallele zur Zerstörung der „Heiligen Ampulle“ während der Französischen Revolution 1793. Im Pontifikalamt wurden die Heiligen Öle für die 43 Pastoralen Räume des Bistums geweiht: das Katechumenenöl für die Salbung der Taufbewerber, das Chrisamöl für Taufe, Firmung, Priester- und Bischofsweihe sowie für die Weihe von Kirchen und Altären, das Krankenöl für die Krankensalbung.

Mit dem Zerbrechen des Gefäßes, das als Quelle des königlichen Salböls galt, sei damals symbolisch das Ende des „Königtums von Gottes Gnaden“ besiegelt worden, erklärte der Bischof in seiner Predigt. Ursache dafür sei die Fehlentwicklung hin zu absolutistischer Herrschaft gewesen. „Sakrales Amt wurde sakralisiertes Amt“, sagte Bischof Jung. Herrschende hätten sich als unantastbar verstanden und niemandem mehr Rechenschaft abgelegt. Der Missbrauch von Macht habe letztlich zum Verlust von Ansehen und Legitimation geführt.

Bischof Jung betonte, wahre „Hierarchie“ bedeute nicht Absolutismus, sondern die Rückbindung an Gott. Jesus selbst habe sein Handeln stets aus der Beziehung zum Vater heraus verstanden. Dieses Vorbild gelte auch für Priester und Diakone, die in der Chrisammesse ihre Weiheversprechen erneuerten. Den Geistlichen dankte Bischof Jung für ihren Dienst im Bistum. „Danke für alles Mittun, Mitringen und Mitdienen.“ Gerade in schwierigen Zeiten brauche es die gemeinsame Rückbesinnung auf den Glauben und die Erneuerung der Sendung.

Der Bischof rief die Priester und Diakone dazu auf, ihr Amt in Gebet, im Dienst an Bedürftigen und in Gehorsam zu leben. Sakramente dürften nicht aus eigener Vollmacht gefeiert werden, sondern nur „in persona Christi“. Auch das Wort Gottes müsse Maßstab des Handelns bleiben. Zugleich unterstrich Bischof Jung, dass die Kirche bewusst keine „Heilige Ampulle“ besitze. Das geweihte Öl sei kein verfügbarer Besitz, sondern müsse immer neu als Gabe Gottes erbeten werden. Wer glaube, darüber verfügen zu können, verkenne dessen geistliche Bedeutung.

Nach der Predigt brachten vier Diakone das Chrisamöl, vier Katechetinnen und Katecheten das Katechumenenöl und vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas sowie der Bahnhofsmission das Öl für die Krankensalbung zum Altar. Dort wurden die einzelnen Öle zum Teil beim Hochgebet, zum Teil am Schluss der Feier geweiht.

Grundstoff der drei Heiligen Öle ist Olivenöl, das mit wohlriechenden Duftstoffen versehen wird. Für das Bistum Würzburg werden pro Jahr insgesamt rund 60 Liter benötigt. Die Salbung mit Öl ist ein symbolischer Hinweis auf die Kraft und Gnade, die der Gesalbte empfängt. Im Alten Testament gilt sie als Zeichen der Anerkennung durch Gott und Auszeichnung vor den Menschen. Im Neuen Testament wird die Salbung mit Öl zur Gesundung der Kranken beschrieben.

Nach dem Gottesdienst erhielten Vertreter der neun Dekanate die Öle, die in den folgenden Tagen in die Gemeinden der Diözese gebracht werden.

Die Frauenchoralschola „Vox anima“ unter der Leitung von Domkantor Julian Beutmiller sang die Choralmesse VIII De Angelis und ein Choralproprium. An der Klais-Orgel spielte Domorganist Professor Stefan Schmidt.

„Tag der Besinnung“ für Priester und Diakone, Alumnen und Diakonatsbewerber

Bereits am Nachmittag sprach Professor Dr. Stefan Kopp beim „Tag der Besinnung“ für Priester, Diakone, Alumnen und Diakonatsbewerber im Kiliansdom über das Thema „Liturgie in meinem Leben im geistlichen Dienst – eine Standortbestimmung“. Kopp ist Inhaber des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwigs-Maximilians-Universität München und Stiftungsdirektor des Herzoglichen Georgianums in München. Er sprach von einer „Umbruchsituation“, in der sich die Erwartungen an die Priester und Diakone, aber auch die eigenen Rollenbilder „dramatisch verändern“. Anhand von Impulsen, gefolgt von kurzen Zeiten der Stille, lud er zum Nachdenken über den Umgang mit Spannungen und Enttäuschungen ein.

Er begann mit der Frage: „Welche Rolle spielt die Liturgie in meinem Leben? Wo ist sie für mich vor allem Dienst? Wo habe ich Freude an ihr, wo habe ich eine Last an ihr?“ Eine der Kernaufgaben des Priesters sei die Feier der Eucharistie, fuhr Kopp fort. Das Vorstehen bei der Eucharistie sei zugleich eine Kunst und ein Dienst: „Es geht darum, nicht mit meiner Person den Blick auf die Mitte, auf Jesus Christus, zu verstellen. Wann fühle ich mich als Vorsteher der Messe wohl? Gibt es Gemeinden, mit denen ich besonders gerne Messe feiere, oder solche, zu denen ich auf Distanz gehe? Was ist mir persönlich bei der Feier der Messe wichtig?“ Er lud dazu ein, sich vor jeder Messe Gedanken zu machen: „Was ist für mich bei der Feier der Messe heute besonders wichtig? Was könnte mir helfen, immer wieder neu bewusst die Messe zu feiern?“

Bei den Kasualien wie Taufe oder Heirat können unterschiedliche Erwartungen aufeinanderprallen. „Wir feiern sie häufig mit wenig religiös sozialisierten Menschen.“ Der Priester stehe einerseits für Verlässlichkeit und einen festen Ritus, könne aber durch ignorierte Erwartungen die Menschen auch verletzen. „Was sind meine Ziele bei der Feier der Kasualien? Wie gehe ich mit der Erwartung um, dass die Kirche und ich als ihr Vertreter Dienstleister sind? Woran können die Mitfeiernden erfahren, dass ich für Jesus stehe?“ Der Priester spende aber nicht nur Sakramente, er empfange sie auch selbst. „Wir sind füreinander Diener“, betonte Kopp. Er ermutigte, darüber nachzudenken, welche Rolle die Sakramente für das eigene Leben spielen: „Was bedeutet es für mich, dass ich getauft bin? Wie prägt mich meine Ordination? Wofür brauche ich vielleicht auch andere Priester?“

Der Referent schloss mit einem Blick auf das Gebet. „Gebet ist nicht nur Ausdruck dessen, was mich bewegt, sondern auch dessen, was mich bewegen soll.“ Er stellte zum einen die Frage nach der Tagzeitenliturgie: „Welche Rolle spielt sie in meinem Leben und meiner pastoralen Arbeit? Was motiviert mich, das Stundengebet zu verrichten?“ Zugleich betonte er das persönliche Gebet. Er erzählte von seinen Erfahrungen mit dem Projekt „Stille auf Juist“, bei dem eine Ordensschwester an jedem Werktagmorgen zu Meditation und stillem Gebet anleitet. Kopp sah darin einen Anstoß, über „den eigenen Kirchturm hinaus“ zu denken und auch in großen pastoralen Einheiten Orte mit einer eigenen geistlichen Prägung zu finden. Er schloss seine Impulse mit der Frage: „Wo wird in meinem Leben konkret, dass ich aus dem Geist der Innerlichkeit lebe und ein Mann des Gebets sein oder werden möchte? Was hilft mir dabei und was hindert mich daran?“

mh/sti (POW)

(1426/0323; E-Mail voraus)

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