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„Für unsere Gemeinde ist heute ein Tag der Freude“

Bischof Jung weiht den Altar in der neu gebauten Pfarrkirche Sankt Bartholomäus – Altarweihe erinnere daran, „dass Gottes Barmherzigkeit keine Grenzen kennt“ – Grußworte spiegeln Stolz und Freude über das gelungene Projekt

Motten (POW) 15 Jahre nach dem Beschluss, die alte Pfarrkirche durch einen Neubau zu ersetzen, hat die Gemeinde Motten (Landkreis Bad Kissingen) nun die Verwirklichung gefeiert. Bei einem feierlichen Pontifikalgottesdienst weihte Bischof Dr. Franz Jung am Sonntag, 7. Juni, den Altar der neu gebauten Pfarrkirche Sankt Bartholomäus. Das Kirchenschiff konnte die vielen Gläubigen kaum fassen, die diesen feierlichen Moment miterleben wollten. „Für unsere Gemeinde ist heute ein Tag der Freude und einer großen Errungenschaft“, sagte Pfarrer Tadeusz Krawczyk. Nach einer langen Zeit „der Vorbereitung und der Vorfreude“ habe die Kirche im Ort nun ein „neues, sichtbares Zeichen“ erhalten. Das Motto „Hab Mut, steh auf!“ des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg stehe auch für den Anfang „dieses wunderbaren Projekts“, sagte Bischof Jung. Er dankte der Kirchenverwaltung und allen, die an der Umsetzung und am Umbau beteiligt waren, für den aufgebrachten Mut. Nun brauche es Menschen, die diesen Ort mit ihrem Gebet füllen: „Die Kirche besteht nicht aus Steinen, sondern aus Menschen.“

In seiner Predigt betrachtete Bischof Jung das Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium: „Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“ Damit habe er die Opferpraxis im Tempel kritisiert, bei der man sich vor Gott freikaufe, ohne etwas im eigenen Leben zu ändern. Christus dagegen habe sich selbst als das einmalige und einzige Opfer dargebracht. „Deshalb steht in jeder Kirche ein Altar, um auf dieses Opfer hinzuweisen.“ Der Altar sei der Mahltisch, zu dem Jesus bewusst alle Sünder einlade, fuhr der Bischof fort: „Durch das Mahl der Eucharistie werden die Sünder geheilt.“

„Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“, sage Jesus. Deshalb sei dieser Altar ein Ort der Heilung. Zeichen dafür sei die Salbung mit Chrisamöl, „mit dem jeder von uns gesalbt wurde bei der Taufe und bei der Firmung“, erläuterte Bischof Jung. „Diese Salbung verbindet uns mit dem Herrn und will uns heilen an Leib und Seele.“ Dieser Altar sei auch ein Zeichen des stellvertretenden Gebets für alle Menschen und für die ganze Welt, fuhr der Bischof fort. Als Zeichen dafür werde an fünf Stellen auf dem Altar Weihrauch entzündet – ein Sinnbild für die fünf Wundmale Christi, aus denen neues Leben hervorgegangen sei. Auch die Gläubigen sollen zum „Wohlgeruch Christi“ werden, der den Verwesungsgeruch des Todes gewandelt habe.

Bischof Jung: Die Kirche ist kleiner, „aber die Herzen sollen nicht enger werden“

Die Pharisäer hätten sich darüber empört, dass Jesus mit Zöllnern und Sündern esse. „Wir leben in Zeiten permanenter Empörung", sagte der Bischof. Aber es sei doch ein Tag der Freude und Glückseligkeit gewesen, als Gott gerade die berief, auf die alle anderen herabschauen. Dieser Altar werde mit Weihwasser besprengt, „damit wir immer Quelle der Freude seien für diese Gemeinde und alle, die hier Eucharistie feiern“. Durch die Aufforderung Jesu „Geht und lernt…“ werde der Altar zur Glaubensschule, sagte der Bischof. „Jedes Mal, wenn wir zum Altar treten, lernen wir, dass Christus die Sünder ruft, weil er das Verlorene liebt und niemanden aufgibt.“ Hier lerne man Barmherzigkeit, Engagement und die Freude über die Gemeinschaft, die am Altar gestiftet und gelebt werden solle.

Die verkleinerte Kirche sei wunderbar geworden, sagte Bischof Jung. „Es hat seine Gründe, dass die Kirche kleiner geworden ist. Aber die Herzen sollen nicht enger werden!“ Barmherzigkeit ende nicht an den Kirchentüren. „Die Barmherzigkeit Gottes ist größer als unser Herz. Wenn wir jetzt den Altar weihen, dann zur Erinnerung daran, dass die Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen kennt.“ Christus rufe nicht wenige Auserwählte und baue nicht nur auf den „harten Kern“, sondern wolle die Herzen weit machen. Er hoffe, schloss der Bischof, dass die neue Kirche ein offener Ort bleibe, ein Ort der Sendung wie der Einkehr, „ein Ort, an dem der Herr unsere Herzen in Barmherzigkeit verwandelt. Dann wird auch dieses kleine Haus in Motten zu einem Ort des Gebetes, an dem etwas aufstrahlt von dem, was Christus uns gebracht hat. Das wünsche ich Ihnen und uns allen.“

Bei der Weiheliturgie wurden Reliquien des heiligen Burkard, der heiligen Crescentia und des heiligen Euganius im Altar beigesetzt. Bischof Jung besprengte den Altar mit Weihwasser, salbte ihn mit Chrisamöl und entzündete zusammen mit Pfarrer Krawczyk an den vier Ecken und in der Mitte Weihrauch. Nachdem das Feuer auf dem Altar verloschen und der Altar gereinigt war, feierte Bischof Jung die erste Eucharistie in der neuen Kirche. Zu Beginn des Gottesdienstes segnete der Bischof zudem die Orgel und den Ambo.

Die Messe wurde musikalisch begleitet vom Chor „Let’s sing together“ und Dekanatskantor Dieter Blum (Orgel). Zur Begegnung auf dem Kirchplatz spielte der Musikverein Döllautaler Motten. Er freue sich, dass die neue Kirche gemütlich und hell sei, erzählte ein Mann. Er und seine Frau seien zwar in der alten Kirche getraut worden, die Kinder seien dort getauft und zur Erstkommunion gegangen. „Und ich war damals bei der Einweihung als Ministrant dabei.“ Aber schön sei sie nicht gewesen. Die neue Kirche finden sie „uneingeschränkt gut“. Jetzt müssten nur genügend Menschen kommen.

Staatssekretär Kirchner: „Habt Mut, steht auf, macht Euch sichtbar!“

Aus den Grußworten nach dem Gottesdienst sprachen Freude und Stolz, verbunden mit zigfachem Dank an alle, die an dem Projekt mitgewirkt haben. „Dass wir heute in dieser wunderschönen neuen Kirche zusammenkommen dürfen, ist keineswegs selbstverständlich“, sagte Kirchenpfleger Michael Mahr. Das Projekt sei anfangs belächelt worden, der Weg sei lang und von intensiver Arbeit geprägt gewesen. Doch in einer Zeit, in der Kirchen „abgerissen oder zu Kletterhallen umfunktioniert“ werden, sei es einem kleinen Dorf gelungen, eine neue Kirche zu errichten. Man habe dabei auf „die besten Unterstützer“ zählen dürfen, sagte Mahr und appellierte: „Mit dem Gebäude selbst sind wir für die Zukunft gut aufgestellt. Es liegt nun an uns, dieses Gotteshaus mit Leben zu füllen.“

„Habt Mut, steht auf, macht Euch sichtbar!“, sagte Sandro Kirchner, Staatssekretär im bayerischen Innenministerium. Eine Altarweihe sei ein besonderer Moment: „Der Altar ist das Herzstück einer Kirche.“ Er sei allgegenwärtig, wenn die Gemeinschaft zusammenkomme – bei Taufen, Kommunionen, Firmung, Eheschließung, aber auch bei Beerdigungen. Kirche sei aber mehr als ein Gotteshaus und als ein Altar, fuhr Kirchner fort. „Die Kirche lebt von unserer Gemeinschaft.“ Diese Gemeinschaft zu pflegen und das Fundament der Nächstenliebe zu erhalten, sei ein Auftrag. Der Neubau stehe für „die Zukunft unserer Kirche in Motten, in der Rhön und darüber hinaus“.

Er sei heute voller Freude und Dankbarkeit, sagte Architekt Friedrich Staib. „Mir war klar, dass ich mich mit den Mottenern nicht nur auf einen gemeinsamen Weg mache, sondern dass ich mich auch in das Begehen eines gemeinsamen Weges einzureihen habe, der schon vor Urzeiten begonnen hat.“ Das vorherige Kirchenschiff aus dem Jahr 1967 sei „mindestens der fünfte Kirchenraum“ an dieser Stelle gewesen. Staib machte auf einige Besonderheiten aufmerksam. So entwickle etwa das Beton-Glas-Bild „Blutendes Herz Mariens“ von Ernst Tesar durch das einfallende Licht nun eine „unfassbare, strahlende Wirkung“. Die großen Fenster nach Norden schüfen eine Verbindung zur Natur und zur Schöpfung. Wer genau hinsehe, könne noch die Spuren vergangener Architektur entdecken.

Bürgermeisterin Habersack: Ein Ort voller Leben, Begegnungen und Gemeinschaft

„Gemeinschaft braucht nicht zwingend einen bestimmten Ort. Aber sie braucht Orte, die ihr Heimat geben“, sagte Bürgermeisterin Katja Habersack. Die neu gestaltete Pfarrkirche sei ein solcher Ort mitten in Motten. „Dass wir heute diesen besonderen Tag gemeinsam feiern können, verdanken wir vielen Menschen, die an dieses Projekt geglaubt und es über Jahre hinweg begleitet haben.“ Ihr Dank galt allen voran Michael Mahr für sein „großes Engagement, bemerkenswertes Durchhaltevermögen und starke Nerven. Ich wünsche unserer Pfarrgemeinde, dass diese Kirche nie nur ein schönes Gebäude bleibt, sondern immer ein Ort voller Leben, Begegnungen und Gemeinschaft ist. Ein Ort, an dem Menschen gerne zusammenkommen und an dem Glaube spürbar wird.“

Sie wolle heute drei Dinge tun, kündigte Diözesanbaumeisterin Katja Mark-Engert an. Sie wolle Bewusstsein schaffen für die historische Bausubstanz und die Schätze der Pfarrkirche, die Spuren ihrer bauzeitlichen Entwicklung sowie die neuen Formen und Materialien, die sie zu einem „neuen, wertvollen Ort“ machten. Sie wolle sich über ein gelungenes Bauvorhaben freuen: „Ich wünsche allen Mottenern, dass die Kirche ein Ort der Ruhe, der Besinnung, aber auch des Miteinanders und der Freude wird“. Und sie wolle danken – den Fachleuten, Firmen, der Kirchenverwaltung und noch vielen mehr. „Zusammen haben wir Maßstäbe gesetzt. Wir haben Altes bewahrt, Neues neu gedacht und das meiner Meinung nach bestens gemacht.“

Domkapitular Armin Haas, Moderator im Pastoralen Raum Bad Brückenau, ging auf die besondere Bedeutung des Abendmahlssaals ein. Dieser habe einen besonderen Auftrag. Dort habe Jesus zu den Jüngerinnen und Jüngern gesagt: Bleibt beieinander, ihr müsst erst noch die Kraft des Geistes empfangen. „Diesen Raum des Gebetes und der Gemeinschaft brauchen wir ganz notwendig.“ Er wünschte allen Anwesenden, dass sie sich von der Frohen Botschaft Jesu entflammen lassen und gegenseitig für die Begeisterung für das Evangelium entzünden. „Ich wünsche Euch, dass dieses Pfingstwunder geschieht.“

Einen Bericht über den Neubau der Pfarrkirche Sankt Bartholomäus in Motten gibt es auf der Homepage des Würzburger katholischen Sonntagsblatts (https://sobla.de/aktuelles/detail/ansicht/die-pfarrgemeinde-motten-hat-ihre-kirche-verkleinert/).

sti (POW)

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