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Ein Jahrhundert voller Menschlichkeit

Bahnhofsmission Schweinfurt begeht Jubiläum – Bischof Jung schickt Grußwort

Schweinfurt (POW) Seit 1926 ist die Bahnhofsmission Schweinfurt für Menschen da, die Unterstützung, ein offenes Ohr, Hilfe am Bahnsteig oder einfach einen Ort zum Ankommen brauchen. Beim Festakt zum 100-jährigen Jubiläum ist deutlich geworden: Die Herausforderungen haben sich verändert – das Prinzip Mitmenschlichkeit ist geblieben, heißt es in einer Pressemitteilung.

Unter dem Motto „100 Jahre Bahnhofsmission. Ein Jahrhundert voller Hilfe, Hoffnung und Menschlichkeit“ hatten die Träger IN VIA Würzburg und Diakonie Schweinfurt am Freitag, 18. September, zum Jubiläum ins Mehrgenerationenhaus in Schweinfurt eingeladen. Bereits im Mai hatte die Bahnhofsmission mit Gästen und Ehrenamtlichen gefeiert. Die Vorstände Martina Fallmann (IN VIA Würzburg) und Carsten Bräumer (Diakonie Schweinfurt) unterstrichen die Bedeutung der niedrigschwelligen Anlaufstelle an Gleis 1: Ohne Anmeldung und unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status sei hier jeder willkommen. Fallmann betonte, die Bahnhofsmission sei mehr als Hilfe in einer akuten Notlage: „Manchmal bedeutet sie ganz einfach: Da ist jemand.“

Schweinfurts Oberbürgermeister Ralf Hofmann würdigte die Bahnhofsmission als festen und wichtigen Bestandteil des sozialen Netzes von Stadt und Landkreis. Sie helfe unbürokratisch und vertraulich. Aus eigener Erfahrung als Hospitierender berichtete Hofmann von interessanten Gesprächen und Begegnungen. Was die Bahnhofsmission so einzigartig mache, sei die Bandbreite ihrer Angebote und ihre Fähigkeit, Brücken zwischen Menschen zu bauen. Er plädierte für „armutssensibles Handeln“ und lobte die Empathie und Menschlichkeit der Hilfestation.

Auch Landrat Florian Töpper betonte die Bedeutung der Bahnhofsmission für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Raum Schweinfurt. Er warnte vor rechtsextremen Tendenzen in der Gesellschaft und warb für Demokratie und einen starken Sozialstaat. Besonders hob er das Engagement der größtenteils ehrenamtlich Mitarbeitenden hervor, für die „die Würde des Menschen“ an erster Stelle stehe. 
Ein Grußwort von Bischof Dr. Franz Jung verlas Domkapitular Monsignore Clemens Bieber, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes. Der Bischof bezeichnete die Bahnhofsmission als „unverzichtbaren Dienst“ für Kirche, Gäste und Gesellschaft. Sie gebe den Schwachen bewusst Raum und setze damit ein Zeichen gegen ihre Ausgrenzung. Für die Kirche sei sie ein Ort gelebter Nächstenliebe – ganz im Sinne des Matthäusevangeliums, nach dem jede Zuwendung an den Nächsten und Fremden einer Begegnung mit Christus selbst gleichkommt. Für die Gäste schließe sie „ohne Bedarfsermittlung und Formulare“ eine oft übersehene Lücke im sozialen Netz. Sie sei „ein Rastplatz für alle, die in den alltäglichen Kämpfen einen Moment der Ruhe und Zuwendung benötigen“. Zugleich würden hier gesellschaftliche Problemlagen sichtbar. Mit Blick auf die Zukunft verwies Bischof Jung auf wirtschaftliche Herausforderungen und die Finanzierung zuschussbedürftiger Einrichtungen.

Wie sehr sich die Aufgaben der Bahnhofsmission im Laufe der Zeit verändert haben, zeigte ein Blick in ihre Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg half die von katholischer und evangelischer Kirche wiedergegründete Bahnhofsmission Geflüchteten und Kriegsheimkehrenden, später unter anderem (Fahr-)Schülerinnen und Schülern, Arbeitslosen und Menschen ohne festen Wohnsitz. Nach der Grenzöffnung 1989 kamen viele Menschen aus Ostdeutschland nach Schweinfurt und strandeten zunächst am Bahnhof. Heute gehe es neben sozialen, psychischen und finanziellen Problemen zunehmend auch um Einsamkeit. Angebote wie „Ellens Treff“, Männerfrühstück und „Beauty Day“ schafften Möglichkeiten für Begegnung und Teilhabe. Daneben bleibe auch die Reisehilfe ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Unverzichtbar seien dabei die Mitarbeitenden. Sie hören zu, vermitteln weiter, helfen konkret – und bleiben manchmal einfach bei einem Menschen, der gerade niemanden hat.

Bahnhofsmissions-„Mutmacherin“ Susanne Brand stellte die Arbeit unter das biblische Wort „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“. Nicht „Was kannst du?“, sondern „Was brauchst du?“ stehe im Mittelpunkt. Landtagsabgeordnete Martina Gießübel betonte, dass in der Bahnhofsmission niemand fragen müsse, ob er willkommen sei. Hier gebe es unkomplizierte Hilfe, ein offenes Ohr oder einfach eine Tasse Kaffee. Zum Jubiläum galt der Dank besonders den Ehrenamtlichen. Sie schenkten etwas, das sich nicht in Zahlen messen lasse: Zeit, Aufmerksamkeit und Menschlichkeit.

Die Bahnhofsmission Schweinfurt wird getragen von IN VIA Würzburg, einem Fachverband im Diözesan-Caritasverband Würzburg, sowie der Diakonie Schweinfurt. Weitere Informationen zur Arbeit der Bahnhofsmission und zum Ehrenamt unter Telefon 09721/85950 oder E-Mail info@bahnhofsmission-sw.de.

(4026/0897; E-Mail voraus)
 

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