Liebe Familie Erhart,
liebe Mitbrüder im diakonalen und priesterlichen Amt,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
Hingebungsvoller Dienst
„Ich ermahne euch also, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst.“ (Röm 12,1) So schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom. Vergessen wir nicht: Die Stadt Rom zählte zu den Lieblingsorten Pfarrer Michael Erharts. Über 70 Mal hat er sie besucht, weil sie für ihn wie ein innerer Kraftort war. Und was Paulus der römischen Gemeinde mitgibt, sich selbst als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen, das war ihm Auftrag. Er sah seine priesterliche Sendung darin, ganz bei den Menschen zu sein. Lasten und Bürden wollte er selbst tragen, anstatt sie anderen aufzuladen. Dabei ging er oft an die Grenzen dessen, was er tragen konnte. So manches Mal aber auch darüber hinaus. Die Ermahnung des Apostels Paulus jedoch, das Leben zum heiligen Gottesdienst für andere zu machen, war für ihn das Leitwort seines priesterlichen Wirkens.
Wertschätzung und Förderung der Charismen
Paulus fährt fort: „Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig.“ (Röm 12,6)
Der Völkerapostel ermuntert dazu, die Fülle der Geistesgaben innerhalb der Gemeinde wahrzunehmen und zu fördern. Darin werden Sie Ihren Pfarrer sicher wiedererkennen. Es war Michael Erhart ein großes Anliegen, die Begabungen innerhalb der Gemeinde zu fördern. Er ermutigte die Menschen in seiner Pfarreiengemeinschaft, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen. Gerne griff er ihre Ideen auf und förderte die Kreativität, indem er ihnen erlaubte, sich auszuprobieren und dadurch über sich hinauszuwachsen. So gelang es ihm, aus Begabungen wirkliche Charismen zu formen, die die Gemeinde und ihr Leben bereichern.
Zusammenhalt im Team
Und wenn der Apostel Paulus seiner Gemeinde zuruft: „Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung!“ (Röm 12,10), dann werden die Mitglieder des Pastoralteams auch darin ihren Pfarrer Erhart wiedererkennen. Es war ihm wichtig, im Team alle gleichermaßen wahrzunehmen und wertzuschätzen, die Sekretariatskräfte genauso wie die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als „mein starkes Team“ hat er seine Mitarbeitenden bezeichnet. Ein schönes Lob, auch aus der Erfahrung heraus, dass dieses Team ihn seinerseits geschätzt hat. Und dass dieses Team ihn auch immer wieder aufgefangen hat, wenn er der Hilfe bedurfte.
Dafür möchte ich Ihnen heute meinen persönlichen Dank aussprechen, weil ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Schön, dass Sie, dass Ihr auf diese Weise bewiesen habt, dass die Beziehung belastbar und damit gut war. Denn das zeigt sich bekanntermaßen erst in der Krise. Und noch einen sehr bemerkenswerten Zug Eures Pfarrers habt Ihr herausgestellt: Er war nie neidisch. Er hat sich immer mitfreuen können, wenn jemand anderem etwas gelungen ist, ohne sich zurückgesetzt zu fühlen. Erfolge wurden miteinander gefeiert in der Wertschätzung des Reichtums der Gaben im Team. Einander zugetan sein in geschwisterlicher Liebe und sich in gegenseitiger Achtung zu übertreffen – Ihr habt es gelebt und erlebt. Das ist etwas sehr Kostbares.
Teilen von Freud und Leid
Seinen pastoralen Grundsatz fasst der Apostel Paulus in der Maxime zusammen: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!“ (Röm 12,15)
Auch darin werden Sie Ihren Pfarrer Erhart wiedererkennen.
Freut euch mit den Fröhlichen…
Er konnte sich so richtig mit den Fröhlichen freuen. Ausdruck dessen waren die vielen Hochzeiten, oft bis zu 30 oder noch mehr im Jahr, die er mit Hingabe vor allem im Zeiler Käppele feierte. Seiner Mitfreude verlieh er dadurch Ausdruck, dass er in seinen Predigten versuchte, die Geschichte des Paares kreativ aufzugreifen. Er half den Liebenden mit einer bildhaften Sprache und mit einem Symbol, sich selbst und ihren Weg vor Gott besser zu verstehen und ihr Miteinander als Sakrament der Liebe Gottes zu begreifen. Nicht selten setzte er für die Hochzeiten sogar seine Urlaubspläne hintan, so wichtig war ihm dieser Dienst.
Sich freuen mit den Fröhlichen konnte er auch beim Theaterspielen mit seiner Laienspielgruppe in Sand. Michael Erhart war dabei beides: Regisseur und Schauspieler. Er verstand es, seine Schauspieltruppe für ein Stück zu begeistern und die Rollen so zuzuweisen, dass ein Ganzes daraus wurde. Ein weiterer Beweis seiner vielfältigen Begabungen.
Sich freuen mit den Fröhlichen konnte er aber auch beim Fasching. Er war eigentlich ein bekennender Faschingsmuffel. Aber er ließ es sich dennoch nicht nehmen, selbst in die Bütt zu steigen. Die Whistleblower im Team wussten gar zu berichten, dass er dafür beim großen Peter Kuhn in Schweinfurt einen Workshop besucht hatte. Wenn schon, denn schon. Dafür war er zu sehr Perfektionist. Aber der Erfolg sprach für sich. Den Tribut an den Fasching entrichtete er nicht zuletzt in seinen gereimten Faschingspredigten, die man noch heute im Netz gerne anschaut wegen ihres Gehalts und damit ihres Unterhaltungswertes.
… und weint mit den Weinenden!
Aber er konnte auch weinen mit den Weinenden. Davon zeugt sein Einsatz für die Notfallseelsorge. Er war sowohl im Dekanat Hammelburg wie bis zuletzt im Dekanat Haßberge Dekanatsbeauftragter für die Notfallseelsorge. Dieser Dienst war ihm persönlich sehr wichtig. Ja, es war ihm eine innere Grundhaltung, sich um Menschen in Notlagen zu kümmern und ihnen beizustehen. Die Einsätze ließ er sich oft zu Herzen gehen, wie Ihr berichtet habt. Auch wenn er nicht immer über das sprechen konnte, was er an Schwerem und Belastendem erlebt hatte, so ging er doch abends noch einmal in die Kirche, um eine Kerze anzuzünden. Was wir Menschen nicht tragen können, das dürfen wir dem Herrn anvertrauen und in seine Hände zurücklegen. So hat er es gesehen und so hat er es gelebt.
Demütige Dienstbereitschaft
„Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig!“ (Röm 12,16) So haben Sie Ihren Pfarrer erlebt. Er war am Gelingen des Ganzen interessiert. Dafür konnte er auch zurückstehen. Bei Festen half er selbstverständlich mit, die Bänke aufzuschlagen. Beim Pfarrfest war sein Platz an der Spülmaschine. Er war sich für nichts zu schade. Er musste nicht dauernd im Vordergrund stehen, sondern konnte auch die einfachen Tätigkeiten im Hintergrund verrichten, die es nun mal braucht, wenn Großes gelingen soll.
Vertrautheit mit der Wirklichkeit des Todes
Vom Tod hat Michael Erhart oft gesprochen. Er war mit der Wirklichkeit des Todes vertraut, wohl auch durch seine Einsätze in der Notfallseelsorge und nicht zuletzt durch die Erfahrung eigener Schwäche. Aber er war von seinem ganzen Wesen her ein österlicher Mensch. Das zeigte sich bei den Gottesdiensten im Zeiler Käppele, wenn er es genoss, am Abend durch die offene Tür ins lichte, weite Tal hinausschauen zu können. Das zeigte sich aber auch in seinem Wunsch, bei seinem Requiem möge die liturgische Farbe Weiß getragen werden als Zeichen der Auferstehungshoffnung, die er anderen so oft vermittelt hat.
Nun hat der Tod ihn ereilt. Viel zu früh und viel zu schnell, so dass wir es alle noch immer nicht so richtig begreifen können. Als Primizwort hatte er sich einen Vers aus Psalm 18 gewählt: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“.
Möge sein Namenspatron und der Patron dieser Kirche, der heilige Erzengel Michael, ihm helfen, die letzte Mauer, die Mauer des Todes zu überspringen hinein in die lichtvolle Gegenwart der Liebe Gottes, in die einzugehen wir alle gerufen sind seit Christi Tod und Auferstehung.
„Who wants to live forever“ – „Wer will ewig leben“, das war sein Lieblingslied der Band Queen. Er wünschte sich, dass dieses Lied einmal gespielt würde bei seiner Beisetzung. Diesen Wunsch wollen wir ihm heute erfüllen. Singt doch das Lied davon, dass ewiges Leben nicht unendlich langes Leben ist. Ewiges Leben ist vielmehr der erfüllte Augenblick. Nicht die Quantität zählt, sondern die Qualität. Das tröstet auch uns im Hinblick auf seinen viel zu frühen Tod. Wenn wir nun dieses Lied hören, wollen wir seiner gedenken und im Gedenken ihm danken für all das, was er für die Menschen im Bistum Würzburg getan hat. Danke, lieber Mitbruder Michael!
