Würzburg (POW) Bischof Dr. Franz Jung hat am Gründonnerstag, 2. April, die Gläubigen zu Beginn der Feierlichkeiten der Karwoche zu mehr innerer Vorbereitung und Ernsthaftigkeit aufgerufen. In seiner Predigt bei der Messe vom Letzten Abendmahl stellte er die „Tränen Jesu“ in den Mittelpunkt und deutete sie als Ausdruck von Enttäuschung, Unverständnis und Angst. In Erinnerung an die Fußwaschung im Abendmahlssaal wusch der Bischof Vertretern von Diözesanrat, Dompfarrei, Flüchtlingen, Vertretern des Katholikentags, Menschen mit einer Behinderung und Ordensleuten – Männern wie Frauen – die Füße. Am Ende des Gottesdiensts wurde der Altarraum leergeräumt.
Jesus habe über Jerusalem geweint, weil die Menschen die Chance auf Frieden und Erlösung nicht erkannt hätten, sagte Bischof Jung in seiner Predigt und verwies auf das Lukasevangelium. Diese Klage sei zugleich ein Spiegel für die Kirche heute: Auch Gläubige liefen Gefahr, die Bedeutung der heiligen drei Tage zu verkennen und die Botschaft Christi nicht an sich heranzulassen.
Als weiteres Beispiel nannte der Bischof die Fußwaschung. Sie stehe für dienende Liebe, werde aber selbst von den Jüngern missverstanden. Während Judas bereits den Verrat plane, wehre sich Petrus gegen die Geste. „Es ist zum Heulen“, sagte Bischof Jung und sprach von einem grundlegenden Unverständnis gegenüber Jesu Botschaft, das bis in die Gegenwart reiche.
Besonders eindrücklich schilderte der Bischof die Szene am Ölberg. In der Nacht vor seiner Verhaftung ringe Jesus in Einsamkeit und Angst mit seinem Schicksal, während die Jünger schlafen. Diese Erfahrung existenzieller Verlassenheit sei vielen Menschen vertraut, erklärte der Bischof. Zugleich zeige Jesu Gebet ein tiefes Vertrauen in Gott. Die Tränen Jesu seien daher nicht nur Ausdruck menschlicher Schwäche, sondern hätten heilende Kraft. In ihnen nehme Gott selbst das Leid der Welt auf sich. Bischof Jung rief dazu auf, diese Perspektive in den eigenen Glauben zu integrieren und die Karwoche als Chance zur inneren Erneuerung zu nutzen.
Die Junge Domkantorei unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth sang „Ubi caritas“ von Maurice Duruflé, „Pange lingua“ von Anton Bruckner, „Tristis est anima mea“ von Jouzas Naujalis und „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Psalm 22) von Felix Mendelssohn Bartholdy. Domorganist Professor Stefan Schmidt spielte die Klais-Orgel. Nach dem Gloriagesang verstummten Glocken und Orgel. Erst beim Gloria in der Osternacht werden sie wieder erklingen. Am Ende der Messe übertrugen Bischof Jung und Mitglieder des Domkapitels das Allerheiligste in die Schönbornkapelle, wo sich die nächtliche Anbetung, die sogenannte Ölbergstunde, anschloss. Schmuck, Kerzen und Decken wurden vom Altar entfernt. Der Tabernakel blieb offen und leer.
Die Karfreitagsliturgie vom Leiden und Sterben Christi feiert Bischof Jung zur Todesstunde Jesu am Karfreitag, 3. April, um 15 Uhr im Kiliansdom. Am Karfreitag wird des Kreuzestodes Jesu gedacht. Er ist gebotener Fasten- und Abstinenztag sowie „stiller Feiertag“. Um 8 Uhr wird im Dom, wie auch am Karsamstag, eine Trauermette gefeiert. Die traditionelle Karfreitagsprozession in Lohr am Main findet ab 10.30 Uhr in der Lohrer Innenstadt statt.
mh (POW)
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