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Bei „Stille Nacht“ wird’s emotional

Reportage
Bischof Dr. Franz Jung feiert mit Gefangenen und Bediensteten in der Justizvollzugsanstalt Würzburg einen weihnachtlichen Gottesdienst

Würzburg (POW) Verlegen reibt sich bei den Klängen von „Stille Nacht“ der eine oder die andere übers Gesicht: Insgesamt rund 240 weibliche und männliche Gefangene der Justizvollzugsanstalt (JVA) Würzburg haben sich am Dienstagnachmittag, 23. Dezember, in der Hauskapelle versammelt, um mit Bischof Dr. Franz Jung und Bediensteten und Ehrenamtlichen der JVA einen der zwei ökumenischen weihnachtlichen Gottesdienste zu feiern.

Es sind vermutlich die belastendsten Tage im Jahr für die aktuell rund 540 Frauen und Männer in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Würzburg: Während andere zuhause bei ihren Familien um den Christbaum versammelt feiern, sitzen sie an Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen oft einsam hinter verschlossenen Türen in ihren Zellen. Ein kleiner Lichtblick ist die ökumenische Christvesper.

„Viele Gefangene sind in diesen Tagen besonders bedrückt, vor allem diejenigen, die diese Zeit zum ersten Mal in der JVA erleben“, beschreibt die katholische Gefängnisseelsorgerin Pastoralreferentin Doris Schäfer die Stimmung hinter Gittern an Weihnachten. Familie und Freunde könnten in dieser Zeit nur eingeschränkt zu Besuch zugelassen werden. Weil zudem die JVA-Betriebe wegen der Feiertage geschlossen seien, entstehe viel Leerlauf. „Wir bieten besonders gutes Essen an. Es gibt Wild, Braten und Geflügel“, sagt JVA-Chef Leitender Regierungsdirektor Ullrich Mann.

Zu Beginn des Weihnachtsgottesdienstes am Tag vor Heiligabend begrüßt Schäfer alle, die zum Gottesdienst in die JVA-Kapelle gekommen sind, besonders Bischof Jung. Zwei Vertreter der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (PSG) aus Würzburg-Lengfeld bringen das Friedenslicht von Betlehem an die Krippe.

In seiner Predigt nach dem Weihnachtsevangelium spricht Bischof Jung über das „Friedensangebot Gottes an uns Menschen“. Ausgangspunkt seiner Predigt ist das Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“. Darin heißt es unter anderem „Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.“ Der Bischof schlägt einen Bogen zwischen den verschlossenen Gefängnistüren und den inneren Schlössern des Lebens – Schuld, Angst und Verzweiflung. Weihnachten, sagt der Bischof, sei das Zeichen, dass Gott selbst die Himmelstür öffne und Frieden anbiete. Jesus komme besonders zu denen, die sich eingeschlossen fühlen. Mit ihm könne Versöhnung beginnen – mit sich selbst, mit anderen und mit Gott.

Die Fürbitten bringen zur Sprache, was die Menschen hinter Gittern bewegt: Sie beten unter anderem für Menschen, die von ihrer Familie getrennt sind, die einsam und ausgegrenzt sind, für die Opfer von Krieg und Vertreibung, für die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft.

Musikalisch engagieren sich zahlreiche Frauen und Männer für den weihnachtlichen Gottesdienst. Zum Beispiel der Frauenchor der JVA unter der Leitung von Julia Apel und der CVJM-Posaunenchor Würzburg unter Leitung von Bernhard Hönig. Zwei weibliche Häftlinge gestalten ein szenisches Spiel, das die Gefühlslage der Gefangenen verdeutlicht. Die evangelische Pfarrerin Astrid Zeilinger und Pastoralreferent Georg Ruhsert tragen das Weihnachtsevangelium vor. Rund 60 Ehrenamtliche, die sich in der Würzburger JVA engagieren, feiern die Vesper mit. Prominente Gäste sind unter anderem die Landtagsabgeordneten Volker Halbleib und Dr. Andrea Behr.

JVA-Chef Martin wünscht den Gefangenen am Ende des Gottesdienstes ein frohes Weihnachtsfest. „Es ist nicht einfach, Weihnachten ohne Freunde und Familie verbringen zu müssen. Kümmern Sie sich bitte umeinander, wenn Sie merken, jemand braucht Trost. Und denken Sie bitte auch daran, dass auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lieber an Weihnachten bei ihren Familien wären, aber ihren Dienst tun. Lassen sie uns gemeinsam ein friedvolles Fest feiern.“

Bevor nach dem Segen „Stille Nacht“ erklingt, dankt Gefängisseelsorgerin Schäfer dem Bischof, der die ermutigende Botschaft der Weihnacht zum Abschluss des Heiligen Jahre den Gefangenen nahegebracht habe. Als Ausdruck des Danks überreicht sie ihm ein Buch mit Gedanken, Gebeten und Liedern von Gefangenen aus ganz Deutschland. Es ist zum „Jahr der Hoffnung“ als Gemeinschaftsprojekt der deutschen Gefängnisseelsorge enstanden ist. Das Original hat sie vor wenigen Tagen bei einer Generalaudienz in Rom gemeinsam mit Weihbischof em. Ulrich Boom dem Papst überreicht.

Danach warten wieder die Zellen auf die Gefangenen. Bischof Jung verabschiedet sie am Ausgang der Kapelle. „Frohe Weihnachten!“, wünscht der Bischof jedem Häftling und überreicht jeweils eine Weihnachtskarte.

Markus Hauck (POW)

(0126/0022; E-Mail voraus)

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