Assisi/Würzburg (POW) Über 16 Stunden Busfahrt haben Pilgerinnen und Pilger aus Unterfranken in der Nacht von Montag, 14. September, auf Dienstag, 15. September, auf sich genommen. Ihr Ziel: der Wallfahrtsort Assisi in der italienischen Region Umbrien. Der Geburts- und Sterbeort des heiligen Franziskus, des Begründers des Franziskanerordens.
Gemeinsam mit drei Brüdern des Würzburger Franziskaner-Minoriten-Klosters und dem Reiseunternehmen spiritel hatte Bischof Dr. Franz Jung zu dieser Pilgerfahrt eingeladen. 63 Männer und Frauen aus Unterfranken sind dem Ruf gefolgt. Aus verschiedenen Orten des Bistums wie Aschaffenburg, Dettelbach, Haßfurt, Schweinfurt, Veitshöchheim und Würzburg wurden die Teilnehmenden von zwei Bussen abgeholt. Durch Österreich und Italien fuhren sie über den Brenner Richtung Italien.
Bischof Jung war besonders daran gelegen, die Reise nach Assisi in diesem Jahr anzutreten: „Zum Gedenken an den 800. Jahrestag des ,Transitus', also des ,Übergangs', des Todes, von Franziskus.“ Der Gedenktag wird jährlich am Abend des 3. Oktobers gefeiert. Am 4. Oktober ist der eigentliche Namenstag des Heiligen, somit auch der Namenstag von Bischof Jung. Das von Papst Leo XIV. ausgerufene franziskanische Jubiläumsjahr begann am 10. Januar 2026 und läuft noch bis zum 10. Januar 2027. Mit dem diesjährigen Jubiläumsjahr geht in Assisi ein seit 2023 dauerndes Gedenken zu Ende. Dem Jubiläum des 800. Todestages von Franziskus waren der 800. Jahrestag der Ordensregel, der ersten Krippe von Greccio, der Stigmatisation, also der Wundmale des Franziskus, sowie des Sonnengesangs des Heiligen vorausgegangen.
Bischof Jung lud die Pilgerinnen und Pilger ein, bei der Fahrt die Quellen sprechen zu lassen. Es gebe kaum einen Heiligen in der katholischen Kirche, von dem es so viele schriftliche Überlieferungen gebe. In seiner Lebensgeschichte werde eindrücklich beschrieben, wie Franziskus sich aus seiner Familie löste, um seinen eigenen Weg der Christusnachfolge zu gehen. „Er begab sich auf eine dramatische Suche, bis er gefunden hatte, was zu ihm passte“, sagte der Bischof. Dabei stelle das zwölfte Jahrhundert eine Zeit der Suche dar. Reformen und Fragen nach der Entwicklung der Kirche seien laut geworden. Darin schlug die Stunde des heiligen Franziskus. „Franziskus' Botschaft lautete: Wir müssen wieder zum Evangelium zurückkehren. Das soll der Rahmen unserer Reise sein. In den kommenden Tagen wollen wir versuchen, dem heiligen Franziskus auf die Spur zu kommen.“ Franziskus als Figur sei für die damalige Zeit provokant gewesen und bleibe bis heute eine Provokation. Es gelte, sich von ihm als Vorbild inspirieren, aber auch hinterfragen zu lassen.
Während der Busfahrt gab Bischof Jung verschiedene Impulse zum Leben des heiligen Franziskus mit auf den Weg. Für jeden Impuls hielt der Bischof Anregungen zum Austausch untereinander bereit. Zum Beispiel: „Was bedeutet es für uns, wenn man das Evangelium heute wörtlich nehmen will?“ oder „Wann hat mich das letzte Mal ein Wort des Evangeliums getroffen?“ Die Pilgerinnen und Pilger im Bus kamen dadurch miteinander ins Gespräch.
Kurzweiliger fühlte sich die lange Fahrt auch dank der Gebete und Gesänge an. Gemeinsam wurde unter anderem der Sonnengesang des heiligen Franziskus gebetet. Mit der Niederschrift des Gebets begann dieser ein Jahr vor seinem Tod, als er bereits schwer erkrankt und fast erblindet war. Bischof Jung gab den Pilgerinnen und Pilgern mit auf den Weg: „Stimmt ein in das große Gotteslob anstatt in die große Klage. Unser Modus ist die Dauerklage, der Modus des Franziskus ist das Gotteslob.“ Das Gebet sei laut Bischof Jung „das höchste Loblied auf Gott“.
Nach der Ankunft in Assisi bezog die Pilgergruppe ihre beiden Hotels, die direkt am Eingang zum historischen Stadtkern mit Blick über die Berglandschaft liegen. Danach hatten sie Zeit, anzukommen und die Stadt zu erkunden. Der Tagesausklang fand beim gemeinsamen Abendessen statt.
Die Pilgergruppe wird bis Montag, 21. September, in Assisi bleiben. Geplant ist unter anderem eine private Führung mit anschließender Messfeier in der Basilika. Weitere Programmpunkte sind eine Fahrt zum Monte Alverna, ein Besuch der Stadt Arezzo sowie die Besichtigung der ersten Weihnachtskrippe in Greccio.
Aus Assisi berichtet Judith Reinders (POW)
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